Aufbau der Energiewirtschaft

Die Energiewirtschaft ist komplex und kompliziert und praktisch nicht intuitiv zu erschließen. In diesem Blogbeitrag erklären wir den Aufbau der Energiewirtschaft (Strom) anhand des Flusses von Energiedaten.

Grundsätzlich lässt sich der Aufbau mit dieser Grafik darstellen:

Links oben befinden sich die Erzeuger – also Betreiber von Kraftwerken und erneuerbaren Erzeugungsanlagen. Hier wird Strom mithilfe von Generatoren oder Solarzellen erzeugt und in das Stromnetz eingespeist. Die Erzeuger müssen sicherstellen, dass genau richtig viel Strom in das Netz eingespeist wird. Die Verbindung zu den Verteilnetzbetreibern beschreibt hierbei vor allem den Netzanschluss der Anlagen zur Übergabe des Stroms. Die Verbindung zu den Übertragungsnetzbetreibern und Bilanzkoordinatoren (beide Rollen werden jeweils vom selben Unternehmen erfüllt) beschreibt vor allem den sogenannten Fahrplan und den Redispatch. Dabei handelt es sich um den konkreten Erzeugungseinsatz der Anlagen – wie viel Strom soll wann erzeugt werden. Darüber tauschen sich diese Marktrollen ständig aus.

Mittig oben befinden sich die Verteilnetzbetreiber. Diese verantworten die regionalen und kommunalen Stromleitungen von den Umspannwerken bis zum Hausanschluss. Der Verteilnetzbetrieb wird alle paar Jahrzehnte neu ausgeschrieben und vom am besten geeigneten Unternehmen übernommen. Dieses kümmert sich um den Ausbau und die Wartung der Stromleitungen direkt vor Ort. Bei einem Hausbau würde der Verteilnetzbetreiber die Leitung bis zur Wohnung verlegen. Dementsprechend ist er verantwortlich für das reibungslose Fließen der Elektrizität.

Am Ende der Stromleitung liegt immer ein Stromzähler. Dieser wird vom Messstellenbetreiber verwaltet, welcher in der Grafik rechts unter dem Verteilnetzbetreiber dargestellt ist. Er baut Stromzähler ein, wartet und wechselt diese, sperrt sie und nimmt sie wieder in Betrieb. Der Messstellenbetreiber lässt außerdem regelmäßig den Zählerstand bzw. die verbrauchte Energiemenge ablesen. Diese Daten wurden bisher anschließend an den Verteilnetzbetreiber gesendet und an den Versorger und damit auch Endkunden weitergeleitet. Da die Messstellenbetreiber auch für die intelligenten Stromzähler (Smart Meter) zuständig sind, werden sie in Zukunft vor allem sogenannte Smart Meter Gateways betreiben, über welche die Energiedaten direkt von berechtigten Marktpartnern abgerufen werden können.

Zu diesen Marktpartnern gehört der rechts oben dargestellte Versorger. Dabei handelt es sich um den Energielieferanten, der einen Versorgungstarif mit dem Endkunden vertraglich abschließt. Der Versorger hat mit der physischen Stromlieferung nichts weiter zu tun (der Strom fließt einfach vom Kraftwerk bis zur Steckdose), aber ihm müssen die Energiemengen zugeordnet werden. Dafür kauft der Versorger an der Strombörse ein oder lässt sich die Energiemengen aus dem eigenen Kraftwerksportfolio zuordnen. Der Energielieferant steht im direkten Kontakt mit dem Endkunden, übernimmt den Kundenservice, schreibt Rechnungen und verwaltet die Kundenstammdaten.

Die Rolle des Bilanzkreisverantwortlichen (in der Grafik unten rechts) wird im Regelfall auch durch den Versorger abgebildet. Dieser kümmert sich unmittelbar um die Zuordnung der Erzeugungen und Verbräuche in der Energiebilanz, dem sogenannten Bilanzkreis. Der Bilanzkreisverantwortliche muss jederzeit die Erzeugung und den Verbrauch im eigenen Portfolio jeweils  im Netzgebiet eines Verteilnetzbetreibers ausgleichen und dementsprechend Energiemengen einkaufen bzw. einspeisen oder verkaufen bzw. ausspeisen.

Die Aufsicht über den korrekten Ausgleich der Energiemengen im Bilanzkreis hat der Bilanzkoordinator – in der Grafik links unten. Alle Energiemengen in einer sogenannten Regelzone – dem Netzgebiet eines Übertragungsnetzbetreibers – werden vom Bilanzkoordinator begutachtet und ausgeglichen. Dafür wird die sogenannte Regelenergie angewendet (Anlagen im Portfolio der Erzeuger und Verteilnetzbetreiber) und anschließend die Ausgleichsenergie zum Bilanzkreisverantwortlichen gebucht.

Die Übertragungsnetzbetreiber sind nicht nur in Personalunion die Bilanzkoordinatoren, sondern im Rahmen des Smart Meter Rollouts auch unmittelbar für die Energiemengen der intelligenten Messsysteme zuständig. Außerdem verantworten sie die überregionalen Stromleitungen, die teilweise über hunderte Kilometer hinweg die Elektrizität transportieren.

Der Marktaufbau der deutschen Energiewirtschaft ist wahrlich komplex, aber kann mit jedem Schritt und jeder weiteren Information leichter und besser verstanden werden. In weiteren Beiträgen werden wir auf viele Details und Rahmenbedingungen eingehen.

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