Warum Energiepreise steigen und wieder fallen werden.

Warum Energiepreise steigen und wieder fallen werden.

Wie sich Erdgas und Erneuerbare auf den Preis auswirken.

 

Auch wenn Klimaschutz und Ökostrom für viele Menschen immer wichtiger werden, schauen die meisten Bürger bei ihrem Energietarif erstmal auf den Preis. Und das ist auch verständlich — in den letzten Jahren wurden Energiepreise schließlich immer komplexer.

An anderer Stelle haben wir schon über die enorme Wirkung der EEG-Umlage auf den Strompreis gesprochen. Sie ist seit Jahren die wichtigste Finanzierungsquelle für die Förderung erneuerbarer Energien, aber macht eben auch ein Viertel des Strompreises für Haushaltskunden aus. Das spüren wir alle im Geldbeutel, können aber in den nächsten Jahren auf eine größere Entlastung hoffen. Die EEG-Umlage wird vermutlich abgelöst und durch eine höhere CO2-Bepreisung ersetzt. Diese wirkt dann als Finanzierungsquelle für erneuerbare Energien und fällt nur dann als Kostenfaktor an, wenn man fossile Kraftstoffe / Brennstoffe bezieht.

Ein ebenso großer Kostenfaktor sind die Netzentgelte auf der Strom- oder Gasrechnung. Diese machen auch etwa ein Viertel des Verbrauchspreises aus und dienen der Finanzierung der Netzbetreiber. Für den Bau und Betrieb der Strom- und Gasleitungen brauchen die Stadtwerke und regionalen Häuser eine unabhängige Geldquelle. Daher werden die Netzbetreiber ausschließlich über die Entgelte auf der Endkundenabrechnung bezahlt. Damit kann den Netzen egal sein, wer ein Kraftwerk oder Windpark betreibt und es kann ihnen auch egal sein, wer den Endkunden versorgt. Nur so konnten die ursprünglichen Monopole aufgehoben und ein echter Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt aufgebaut werden. Dieser Kostenfaktor ist wichtig und wird bis auf weiteres nicht wegfallen. Allerdings wacht die Bundesnetzagentur als oberste Aufsichtsbehörde darüber, wie hoch die Entgelte jedes Jahr sein dürfen.

Neben weiteren Umlagen und Abgaben rund um die Regulierung und Sicherheit des deutschen Energiesystems finden wir natürlich noch Steuern auf unserer Rechnung. Neben der Mehrwertsteuer zeigen sich die Stromsteuer oder Energiesteuer (bei Erdgas).

Und was bleibt übrig? Nur etwa 20–25 % der Stromrechnung und ein bisschen mehr von der Gasrechnung landen bei unserem Energieversorger. Davon müssen die Stromproduktion bzw. der Gasimport, der Energiehandel sowie alle Personal- und Marketingkosten bezahlt werden. Über die letzten Jahre hat sich die Energieversorgung so zu einem schwierigen Geschäft entwickelt.

Energieversorger setzen auf günstige Einkaufspreise oder versuchen durch hohe Effizienz direkt Kosten einzusparen. Digitalisierung bietet Möglichkeiten die Bearbeitung von Klärfällen, den Service und die Abrechnung immer effizienter und kundenfreundlicher zu gestalten.

Aber der Einkaufspreis im Energiehandel schlägt dem Versorger ab und zu doch wieder ein Schnippchen. In diesem Bild sehen wir die Strompreisschwankungen im gesamten Jahr 2019:

Börsenstrompreise (intraday) in Deutschland 2019 ( energy-charts.info )

Und hier sehen wir die Strompreisschwankungen im Jahr 2021 bis Anfang Oktober:

Börsenstrompreise (day-ahead) in Deutschland 2021 ( energy-charts.info )

Wie kann sowas passieren? Ein derart steigender Preis deutet ja eine große Knappheit von Strom an. Und genau da sieht man den Mangel an der Umsetzung der Energiewende. Wir haben in den letzten Jahren viel zu wenig erneuerbare Energie-Kapazität aufgebaut. Solange wir uns auf unflexible Großkraftwerke verlassen, können wir kein ausgeglichenes System schaffen. Erst digital vernetzte erneuerbare Energien-Anlagen können in Kombination mit flexiblen Speichern eine wirklich gute Antwort auf den ständig schwankenden Stromverbrauch in Deutschland liefern.

Also ist es am Ende wie so oft eine Kombination aus verschiedenen komplexen Faktoren, die solche Energiepreisschwankungen hervorrufen. Die aktuelle Eskalation liegt aber vor allem an hohen Gaspreisen. Deutschland importiert Erdgas vor allem aus Russland und Norwegen. Früher war auch die Niederlande ein wichtiger Partner, diese stellen den Gasexport aber komplett ein. In Zukunft könnte der Import per Tankschifffahrt eine große Rolle spielen, aber aktuell fließt das Gas vor allem per Pipelines aus Russland. Und hier greifen Marktmechanismen: Streit um die Ostsee-Pipeline Nordstream II, hohe Gasnachfrage aus Asien, hoher Wartungsaufwand und sinkende Speicherfüllstände. Natürlich steigt dann der Einkaufspreis — so funktioniert ein freier Markt.

Und wenn der Gasimport teurer wird, produzieren Gaskraftwerke natürlich auch teureren Strom. Und schon gehen auch die Preise für den allgemeinen Strommix in Deutschland durch die Decke. Dann verteuert sich der Strom bei praktisch allen Energieversorgern, weil schlussendlich auch die meisten erneuerbaren Energien über Börsenstrompreise gehandelt werden.

Wie wird der Preis wieder fallen?

Zum einen wird sich der Gaspreis in absehbarer Zeit stabilisieren. Die aktuelle Gas-Knappheit in Europa wird spätestens nach dem Winter vorerst wieder erledigt sein.

Aber: die neue Bundesregierung muss eben auch den sofortigen Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland vorantreiben. Nur wenn wir auf flexible Stromerzeugung setzen, können wir immer wieder auf schwankende Preiseffekte reagieren.

Im Oktober 2021 heißt es also:

  • Zähne zusammenbeißen — die Preise werden wieder fallen
  • unsere Bundesregierung zu einem starken Ausbau der Erneuerbaren und Speicher verpflichten
  • nicht auf Lock-Angebote reinfallen — die aktuellen Preiseffekte betreffen den gesamten Markt und alle Energieversorger werden die Preissteigerungen früher oder später an den Kunden durchreichen

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