Was muss beim Lieferantenwechsel beachtet werden?

Was muss beim Lieferantenwechsel beachtet werden?

Kürzlich haben wir uns den eigentlichen Prozess des Lieferantenwechsels angeschaut. Heute soll es nochmal darum gehen, was beim Lieferantenwechsel im Alltag beachtet werden muss.

Was muss ich als Kunde beachten?

Wenn ich meinen Energieversorger wechseln möchte, gehe ich heutzutage einfach ins Internet. Auf einem Preis-Vergleichsportal oder auf der Website des Versorgers kann ich einen Tarif wählen, die Kundendaten eingeben und das gewünschte Beginndatm auswählen. Und dann klappt das einfach?

Tatsächlich steckt ja noch einiges hinter dem Prozess. Das haben wir im anderen Beitrag schon gezeigt. Die wichtigste Grundlage für den Erfolg sind korrekt angegebene Kundendaten. Wenn bisher der Ehepartner für die Stromversorgung angemeldet ist, kann der neue Vertrag nicht ganz so einfach auf meinen eigenen Namen angemeldet werden. Der Wechsel kann nur dann automatisch durchlaufen, wenn die Daten auf allen Seiten übereinstimmen. 

Ich muss meine Zählernummer korrekt angeben. Der automatische Lieferantenwechsel-Prozess kann nur durchlaufen, wenn die ganz konkrete Lieferstelle meines Stromzählers sowohl im Versorger- als auch Netzbetreiber-System gefunden werden kann. Die entsprechende Zählernummer finde ich auf dem Gerät selbst. Sie steht meist unter dem eigentlichen Zählerstand. Ich finde die Nummer aber auch auf meiner letzten Stromrechnung. Dort steht auch die sogenannte Marktlokations-ID. Diese ist sogar noch genauer und hilft meinem Versorger im weiteren Anmeldeprozess. Diese Nummer kann man bei vielen Versorgern direkt im Anmeldeprozess mit angeben. Hinter der Marktlokation steckt die eineindeutige Bezeichnung für die eigene Versorgungsstelle. Wenn diese korrekt angegeben ist, kann fast nichts mehr schief gehen.

Letzter wichtiger Aspekt: mein neuer Versorger kann mich nicht einfach so von Heute auf Morgen in die Belieferung nehmen. Für die Abwicklung des Prozesses muss ich mindestens zwei Wochen – besser mehr – Vorlauf einplanen. Und dann muss der Termin auch zur Kündigungsfrist bei meinem bisherigen Versorger passen.

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Wie funktioniert der Lieferantenwechsel?

Wie funktioniert der Lieferantenwechsel?

Beim Lieferantenwechsel geht es um den Wechsel des Energieversorgers für eine Verbrauchsstelle. Der Kunde sucht sich einen neuen Versorger, schließt zum Beispiel im Internet den Vertrag ab und nun folgt der Lieferantenwechsel.

Der Prozess kann im Hintergrund recht komplex werden. Das bekommt der Kunde im Regelfall gar nicht mit und so wollen wir in diesem Beitrag für etwas mehr Klarheit sorgen.

In der deutschen Energiewirtschaft kann man sich prinzipiell komplett frei für den eigenen Energieversorger entscheiden. Und die Auswahl ist recht groß, denn sowohl im Strom-, als auch Gas-Markt gibt es heute etwa eintausend verschiedene Anbieter. Die Betonung liegt dabei auf heute. Noch vor wenigen Jahrzehnten sah man sich in Deutschland nämlich mit einer Monopolstruktur konfrontiert. Je nachdem wo man wohnte, gab es nur genau einen Versorger: den regionalen Betreiber der Kraftwerke und Stromleitungen. Das war in der Vergangenheit immer genau ein Unternehmen.

Nun sollte aber ein freier und wettbewerblicher Markt geschaffen werden. Dafür hat man das Energieunternehmen in verschiedene Rollen getrennt und damit alle Stromerzeuger und Versorger miteinander in Konkurrenz gesetzt. Einzig die Netzbetreiber verfügen immer noch über eine Art Monopol: die Stromleitungen. Dabei handelt es sich um ein geschlossenes System – die Betreiber sind aber gezwungen, alle Erzeuger und Versorger diskriminierungsfrei gleich zu behandeln.

So wurde es möglich, dass ein Anwohner in Kiel ein Versorgungsunternehmen aus seiner Region, aber auch aus Bayern, Sachsen oder sonst irgendwo wählen kann. Kunden können sich frei entscheiden, mit wem sie einen Vertrag abschließen wollen. Die Hintergründe sind unter dem Begriff Unbundling nochmal genauer erklärt.

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Nettostromerzeugung in Deutschland

Die Energiewende schreitet voran. Die Stromversorgung in Deutschland wird immer stärker aus erneuerbaren Energiequellen sichergestellt. Dementsprechend werden immer weniger fossile Brennstoffe und weniger Atomkraft benötigt. 

Die oft kontrovers und manchmal unfair diskutierte Energiewende kann man ganz greifbar machen. Dafür schauen wir uns einfach mal an, wie hoch der konkrete Erzeugungsanteil der diversen Energieträger in Deutschland heutzutage ist.

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Merit-Order im Stromhandel

Manche Kraftwerke können sich im Stromhandel ganz besonders gut vermarkten. Manch andere Kraftwerke laufen immer öfter nicht rentabel und müssten eigentlich so langsam, aber sicher abgestellt werden. Bei diesem Thema wird oft von der Merit-Order gesprochen. Was steckt eigentlich dahinter?

Die Merit-Order ist die Einsatzreihenfolge von Kraftwerken. Sie beschreibt, welche Kraftwerke zuerst eingesetzt werden und welche Kraftwerke nur dann laufen, wenn wirklich ganz besonders viel Bedarf vorhanden ist. Zusammengefasst beschreibt die Merit-Order, dass zuerst Erneuerbare Energien, dann Atomkraftwerke, dann Kohlekraftwerke und zuletzt Gaskraftwerke in Deutschland eingesetzt werden.

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Aufbau der Energiewirtschaft

Die Energiewirtschaft ist komplex und kompliziert und praktisch nicht intuitiv zu erschließen. In diesem Blogbeitrag erklären wir den Aufbau der Energiewirtschaft (Strom) anhand des Flusses von Energiedaten.

Grundsätzlich lässt sich der Aufbau mit dieser Grafik darstellen:

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Ersatzversorgung

Was ist die Ersatzversorgung?

Sie ist eine Art Notfall-Versorgung, falls der eigentlich geplante Energievertrag nicht zustande kommt oder aufgelöst wird.

Sie tritt also immer dann in Kraft, wenn es keinen normalen Energieversorgungsvertrag gibt und der sogenannte Grundversorger eingreifen muss. Den Grundversorger haben wir schon mal erklärt – dabei handelt es sich um den Energielieferanten mit den meisten Kunden in einer Stadt bzw. einem Landkreis.

Wenn man irgendwo neu einzieht und sich keinen speziellen Versorger sucht, landet man in der Grundversorgung.

Wenn der eigentlich geplante Versorger nicht die Stromlieferung übernehmen kann, landet man in der Ersatzversorgung.

Wie wird die Ersatzversorgung geregelt?

Im Paragraph 38 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) wird die Ersatzversorgung mit Energie relativ klar vorgegeben: wenn es keinen regulären Versorgungsvertrag gibt, dann wird der Verbraucher im Rahmen der Ersatzversorgung beliefert.

Wie kommt es dazu, dass man keinem regulären Vertrag zugeordnet wird?

Wenn man zum Beispiel online einen Lieferantenwechsel durchführen möchte – alle Daten im Kundenportal des Versorgers eingibt – aber die Anmeldung bei diesem neuen Lieferanten aus irgendwelchen Gründen nicht erfolgreich abgeschlossen wird.

Dabei kann schon viel beim Prozess des Lieferantenwechsels schief gehen. Mehr dazu erfahrt ihr in späteren Beiträgen.

Genauso gut kann es sein, dass der bisherige Energieversorger den Vertrag kurzfristig beendet. Zum Beispiel aufgrund relativ hoher Rechnungsschulden. Wenn man sich nicht rechtzeitig um einen neuen Versorgungsvertrag gekümmert hat, dann fällt man in die Ersatzversorgung.

Es könnte auch passieren, dass der bisherige Energieversorger gar keine Kunden mehr beliefern kann oder darf. Zum Beispiel weil er insolvent geht oder weil der Netzbetreiber den sogenannten Lieferantenrahmenvertrag kündigt. Oder weil der Bilanzkreisvertrag mit diesem Versorger gekündigt wird. Das passiert, wenn ein Energielieferant seinen Pflichten im Markt nicht nachkommt, selbst seine Rechnungen nicht zahlt, etc. 

Im Paragraph 3 der Niederspannungsanschlussverordnung (Strom) und der Niederdruckanschlussverordnung (Gas) wird geregelt, das ein Versorger vom Netzbetreiber gekündigt werden kann und damit die bisherigen Kunden allesamt in die Ersatzversorgung fallen.

Da die Ersatzversorgung wie ganz oben erwähnt eine Art Notfall-Vertrag ist, endet sie automatisch. Entweder weil man einen neuen Liefervertrag mit einem Energieversorger abgeschlossen hat. Oder weil sie spätestens nach drei Monaten ausläuft und zu regulären Grundversorgung wird.

In der Ersatzversorgung gelten für Haushaltskunden gesonderte Preise, die mit der Grundversorgung übereinstimmen. Dazu findet sich mehr im Paragraph 36 des Energiewirtschaftsgesetzes. Die erhöhten Preise für die Grund- und Ersatzversorgung müssen transparent im Internet veröffentlicht werden.

Warum ist das teurer?

Der Tarif für die Grund- und Ersatzversorgung ist immer teurer als ein normaler, üblicher Energieversorgungstarif. Der Grundversorger hat immer ein paar unvorhersehbare Bedingungen, die in der Kalkulation bedacht werden müssen.

Im oben benannten Beispiel der Insolvenz eines Energieversorgers, fallen ja von heute auf morgen alle Kunden in die Ersatzversorgung. Für diese Kunden wurden ja bisher keine Energiemengen erzeugt bzw. eingekauft – das muss jetzt kurzfristig nachgeholt werden und ist im Großhandel / an der Börse oft recht teuer.

Daher kann hier kein besonders günstiger Tarif angesetzt werden. Die Mehrkosten im Einkauf und der plötzliche Prozessaufwand müssen einkalkuliert werden.

Weitere Einzelheiten der Ersatzversorgung werden im Paragraph 3 der  Stromgrundversorgungsverordnung bzw. Gasgrundversorgungsverordnung geregelt.

Den konkreten Hintergrundprozess der Ersatzversorgung zwischen Netzbetreibern und Versorgern besprechen wir in einem der nächsten Beiträge.

Grundversorger

Der Grundversorger für Strom oder Gas – wer ist das eigentlich? 
Es handelt sich dabei immer um das Energieunternehmen, welches in einem Netzgebiet die meisten Haushaltskunden beliefert.

Was ist ein Netzgebiet
Dabei handelt es sich um ein geographisch abgrenzbares Gebiet, welches von einem Stromnetzbetreiber bzw. Gasnetzbetreiber verwaltet und bewirtschaftet wird.
Das Ganze basiert auf der Konzessionsvergabe: das bedeutet, dass eine Gemeinde oder ein Landkreis das Recht zum Bau von Strom- oder Gasleitung an einen Netzbetreiber übergibt.
Dieser ist dann für diese Region zuständig.

Und der Energieversorger mit den meisten Kunden in dieser Region ist wiederum der sogenannte Grundversorger.

Grundversorgung bedeutet unter anderem: wenn ich in eine Wohnung einziehe und ich verbrauche das erste Mal Strom, dann bin ich automatisch Kunde in der Grundversorgung.

In der Energiewirtschaft geht es zu großen Teilen um die kaufmännische Zuordnung von Energiemengen. Daher müssen wir vom ersten Moment des Stromverbrauches an einen verantwortlichen Energieversorger zuordnen. Solange sich der Kunde also nicht vorher schon um einen bestimmten Versorgungsvertrag gekümmert hat, landet er automatisch bei dem Grundversorger.

Die entsprechende Regelung findet sich schon im Energiewirtschaftsgesetz. Mit der 2005 in Kraft getretenen Novelle wurde die eben beschriebene Grundversorgung und außerdem die Ersatzversorgung eingeführt. Bei der Ersatzversorgung geht es darum, dass man einem Lieferanten zugeordnet wird, wenn der bisherige Vertrag abgebrochen wird.

Die Grundversorgung ist ein potenziell über Jahre hinweg laufender Vertrag. Die Ersatzversorgung nur ein kurzfristiger Notfallvertrag.

Der Grundversorger wird alle drei Jahre neu bestimmt: wir hatten 2009, 2012, 2015 und wieder Mitte 2018 den Berechnungs-Stichtag. Zum ersten Juli des entsprechenden Jahres wird über die Daten des Netzbetreibers gemessen, welcher Versorger im Netzgebiet die meisten Kunden beliefert.

Das ist im Regelfall ein Stadtwerk oder ein Regionalversorger, manchmal auch einer der großen Energiekonzerne. Eben das Unternehmen, was zuletzt die meisten Kunden vor Ort überzeugen konnte.

Diese Auszählung wird dann  bis zum September des entsprechenden Jahres veröffentlicht. Dann kann innerhalb eines Monates von Wettbewerbern Beschwerde eingelegt werden – wenn zum Beispiel zwei unterschiedliche Energieunternehmen fast gleich viele Kunden vor Ort beliefern. Anschließend würde es über die Landes- oder Bundesregulierungsbörden eine konkrete Auszählung und Festlegung geben. Der neue Grundversorger übernimmt mit Wirkung zum 01.01. des nächsten Jahres seine Rolle.

Die letzte Neuvergabe zum Januar 2019 läuft noch bis Dezember 2021.
Also wird Mitte 2021 wieder ein Stichtag zur Bemessung des Grundversorgers in jedem Netzgebiet anstehen und dann womöglich zum Januar 2022 ein neuer Grundversorger bestimmt oder der bisherige Lieferant bestätigt.

Was passiert mit den Kunden, wenn ein Grundversorger wechselt? Die bisherigen Grundversorgungs-Kunden bleiben bei ihrem Versorger, aber erhalten einen ganz normalen Stromtarif-Vertrag. Sie wandern nicht automatisch zum neuen Grundversorger rüber.

Nur alle neuen Kunden würden im jeweiligen Netzgebiet zum neuen Grundversorger kommen. 

Die Rahmenbedingungen der Grundversorgung sind in der Strom- und Gasgrundversorgungsverordnung bestimmt. Es müssen Versorgungsbedingungen und Preise transparent veröffentlicht werden. Kunden können nicht abgelehnt werden – jeder muss versorgt werden – aber dafür ist der Grundversorgungstarif eben immer etwas teurer. Gleichzeitig gibt es in der Grundversorgung keine langen Vertragsbindungen – man kann immer innerhalb von zwei Wochen zu einem selbst gewählten Versorger wechseln.

Diese Rahmenbedingungen geben folgendes Bild: als Grundversorger hat man jede Menge garantierte Kunden (weil der Großteil eben keinen Versorger beim Umzug und co. aktiv wählt), aber es können eben auch jederzeit neue Kunden ungeplant zugeordnet werden und bisherige Kunden sehr schnell zu einem anderen Versorger wechseln. Das macht die günstige Beschaffung von Energiemengen praktisch unmöglich. Und genau deswegen sind die Grundversorgungstarife immer etwas teurer.

Fernwärme – einfach erklärt


Was ist Fernwärme?

Für Fernwärme gibt es mehrere Definitionen:

1. Fernwärme ist die Wärmelieferung von einem zentralen Heizkraftwerk zur Versorgung von Gebäuden mit Heizung und Warmwasser über ein wärmegedämmmtes Rohrsystem.

2. Bei der lokalen Versorgung einzelner Gebäude oder kleiner Wohnsiedlungen mit eigener Wärmeerzeugung spricht man von Nahwärme – technisch und juristisch ist das aber auch Fernwärme.

Was genau steckt dahinter?
Unter Fernwärme versteht man die Versorgung von Haushalten oder anders genutzten Gebäuden mit Warmwasser und Heizungswärme – sie kommt gebrauchsfertig an und kann sofort genutzt werden.

Rechtliche Grundlage

Die rechtliche Grundlage für Fernwärme ist die Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme, kurz die AVBFernwärmeV.

Die AVBFernwärmeV ist 1980 in Kraft getreten und wurde 2010 zuletzt geändert.

Sie regelt in 37 Paragraphen die Versorgung von Kunden an Fernwärmenetzen, sie gilt für alle Kunden abgesehen von angeschlossenen Industrieanlagen.

Hier geht es zum Verordnungstext: gesetze-im-internet.de

Der Fernwärmeversorgungsvertrag

Der Fernwärmeversorgungsvertrag soll schriftlich abgeschlossen werden – er entsteht aber auch sofort mit der ersten Abnahme von Wärme.

Im Fernwärmeversorgungsvertrag sind vor allem zu regeln:

  • Art des Wärmeträgers
  • Menge der zu liefernden Wärme
  • Ort der Versorgung und exakte Übergabestelle
  • Technische Anschlussbedingungen
  • der Fernwärmepreis
  • die Preisänderungsklausel
  • Zutrittsrecht nach §16 AVBFernwärmeV
  • die Vertragslaufzeit (höchstens 10 Jahre)
  • Regeln zur Beendigung

Aber wie genau funktioniert Fernwärme?

Es beginnt in einem Heizkraftwerk: ganz klassisch wird in einer Brennkammer ein Brennstoff verbrannt. Dadurch entsteht Hitze, die über einen Wärmetauscher an einen Kreislauf weitergegeben wird.

Dieser Kreislauf sind die Fernwärmeleitungen, die jeder aus dem Stadtbild kennt. In diesen Leitungen ist eine Flüssigkeit oder ein Gasgemisch, das immer den gleichen Zustand hat und besonders heiß werden kann. Wie heiß? – das kommt auf die Länge der Leitung an, also wie weit die Wärme verteilt werden muss.

Dabei muss man vorherberechnen: wie heiß muss der Ausgangspunkt – also die Leitung am Heizkraftwerk – sein, um den letzten Kunden gleichwertig zu beheizen.

Wenn man eine große Stadt mit Fernwärme versorgen will, sollte man „Hitzestationen“ dazwischen bauen – zum Beispiel ein Blockheizkraftwerk. Diese „Hitzestationen“ geben jeweils nochmal Wärme dazu, um eine gewisse Grundwärme zu halten.

Ist der Haushalt an das Wärmenetz angeschlossen, geht die Hitze aus den Leitungen nun wieder über einen Wärmetauscher in das häusliche Wärmesystem, also in die eigene Heizung, bzw. das Warmwassersystem.

Das ist das Grundprinzip der Fernwärme.

Wie sieht es aus mit der Anschlusspflicht?

Der Anschlusszwang an das Fernwärmenetz kann durch Verordnungen der Kommunen aus verschiedenen Gründen herbeigeführt werden.
Gründe: Gemeinwohl (Daseinsversorge), Klimaschutz und der kommunale Bebauungsplan.

Eine Befreiung von dieser Anschlusspflicht ist auf Antrag möglich, wenn zum Beispiel die Wärmeenergie durch eine emissionsfreie Heizungsanlage erzeugt wird, wenn die Anlagen zur Wärmegewinnung auf Basis erneuerbarer Energien oder Abwärme eingesetzt werden oder wenn die Wärmegewinnung einem innovativen Wärmeversorgungskonzept entspricht. Macht euch hier am besten bei eurer Stadtverwaltung, Gemeindeverwaltung oder direkt beim Stadtwerk schlau.

Der Fernwärmemarkt - Monopol und unreguliert

Durch diesen Anschlusszwang entsteht ein Monopol, denn die Fernwärmeleitung kommt von einem Kraftwerk – dort kann kein anderer Wettbewerber ran – man ist automatisch bei dem einen Fernwärmebetreiber.

Darüber hinaus ist es ein unregulierter Markt, wo es keinen Wettbewerb, keine Preisprüfung und Preisfreigabe gibt – so wie wir es im Strom- und Gasmarkt kennen. Man hat keine Übersicht, ob sich die Kosten tatsächlich erhöhen oder ob der Preis einfach nur unfair ist.

Die Preisberechnungsmöglichkeiten sind für die Endkunden nicht durchschaubar. Meist ist es eine Zusammenwürfelung aus Grundpreis, Arbeitspreis, Leistungspreis und Messpreis – nach Formeln, die man als normaler Mensch und auch als Energiewirtschaftler nur schwer versteht.

Erste Bundesländer haben jetzt Vorgaben für Transparenz eingeführt. Denn in der Vergangenheit mussten die angewendeten Preise nicht veröffentlicht werden.

Erste Transparenz-Vorgaben sind:

  • Preise müssen öffentlich sein
  • Mix der Brennstoffe
  • wie hoch ist der Kohleanteil
  • und wie hoch ist der Gasanteil

Damit hört es aber noch nicht auf. Verbraucherschützer und Politik wollen den unregulierten Markt endlich freier gestalten und Monopole bekämpfen – es bleibt also spannend!

In einem späteren Beitrag gehen wir noch mal genauer auf die Heizkostenabrechnung ein.

Das war ein kleiner Überblick zum Thema Fernwärme.

Habt ihr Fragen hierzu oder sogar ein neues Wunschthema? Dann schreibt es einfach in die Kommentare.

Smart City – womit geht es los?

Im April letzten Jahres hatten wir grundlegend auf die Weiterentwicklung der Daseinsvorsorge geschaut – wie kann sich eine Stadt digital weiterentwickeln und zur Smart City werden? Wie kann das ländliche Gebiet zum Smart Country werden?

Der Autor ist Teil der Smart City Initiative im ostthüringischen Gera und setzt sich in der Arbeitsgruppe Energie/Umwelt für die Konzeption einer Energiewelt von Morgen ein. In diesem Beitrag wollen wir nun zeigen, womit eine Smart City los geht.

Die umfassende Transformation einer ganzen Stadt oder Region muss auf vielen Ebenen ablaufen. Da die Anwendungszwecke der digitalisierten Stadt praktisch überall zu spüren sind, muss auch fast jeder mit an den Tisch und an der Entwicklung arbeiten. Die Stadtwerke und Stadtverwaltung genießen ein hohes Vertrauen und sind mit den nötigen Einblicken und Kenntnissen versehen. Jedoch dürfen die Entwicklungen nicht an den tatsächlichen Interessen der Bürger vorbei gehen – also gehören offene Versammlungen, Workshops und Abstimmungen dringend zu den ersten organisatorischen Mitteln.

Bei der Initiative Smart City Gera starteten wir mit einer offenen Ideenkonferenz. Hier haben unter anderem Bürger, Politiker und Unternehmer mit der lokalen Hochschule und der Stadtverwaltung über konkrete Ideen für eine Smart City Gera diskutiert. Ein Teil dieser Ideen wurde zusammengeführt und in einen Fördermittelantrag geschrieben. Eine Vielzahl von Bundes- und Landesministerien, die KfW und verschiedene Stiftungen haben Fördertöpfe für Smart Cities geöffnet, sodass je nach Themenansatz verschiedene Empfänger in Frage kommen könnten. In unserem Fall hat das Bundesinnenministerium den Zuschlag erteilt.

Anschließend wurden alle Bürger zu einer offenen Vollversammlung geladen. Nach einer allgemeinen Diskussion der bevorstehenden Fördermöglichkeiten bildeten sich erste Arbeitsgruppen rund um größere Themengebiete:

  • Stadtentwicklung/Verkehr
  • Energie/Umwelt
  • Bürgerbeteiligung
  • Bildung
  • Wirtschaft

Unser spezieller Fördertopf sieht eine Konzeptphase von zwei Jahren und eine anschließende Projektierung von fünf Jahren vor. Daher arbeiten unsere Arbeitsgruppen aktuell an vielen strategischen, aber auch ganz konkreten Ansätzen für den jeweiligen Themenbereich. Die Ideen werden anschließend in einem größeren Strategiekreis zusammengeführt und abgeglichen. Überschneidungen führen zu gemeinsamen Arbeitssitzungen und eventuell gemeinsamen Projektkonzepten. Da die Arbeitsgruppen grundsätzlich öffentlich tagen und sich in einem öffentlichen Forum austauschen, können alle Bürger jederzeit mitmachen. Aber natürlich müssen auch wir uns damit beschäftigen, wie man Themen wirksam publiziert und Interessenten anzieht. 

Glücklicherweise verfügen wir in Gera bereits über ein LoRaWAN, ein ziemlich flächendeckendes Kommunikationsnetz für Geräte – praktisch eine Art WLAN für Sensoren. Daher können wir neben den strategischen Projektkonzepten auch an ganz kurzfristigen Anwendungen arbeiten. Unsere bereits bestehenden Umweltsensoren könnten wir erweitern oder neue Sensorarten verbauen. Aber sowohl bei den langfristigen, als auch bei den kurzfristigen Ideen kommt es auf die konkreten Menschen an: Visionäre, Querdenker, aber vor allem richtige Macher. Ideen müssen natürlich diskutiert werden, aber dürfen nicht endlose Runden drehen. Irgendwann muss einfach losgelegt werden.

Stromnetzausbau: was ist der Szenariorahmen?

Das deutsche Stromnetz ist etwa 1,85 Millionen Kilometer lang. Das entspricht fast der fünffachen Entfernung des Mondes von der Erde. Der mit Abstand größte Anteil des Stromnetz ist die sogenannte Niederspannung – diese Kabel liegen direkt an unseren Häusern, verbinden kleine Erzeugungsanlagen mit normalen Verbrauchern und ziehen sich unterirdisch quer durch unsere Städte.

Der Zustand des Stromnetzes muss ständig neu überwacht und eingeschätzt werden. Welche Leitungen müssen gewartet werden, wo bieten sich Erweiterungen an und welcher Neubau ist tatsächlich notwendig?

Für den Netzausbau wird in Deutschland ein aufwändiger Prozess mit fünf großen Schritten angewendet:

  1. Ermittlung des Szenariorahmens
  2. Erarbeitung der Netzentwicklungspläne
  3. Rechtlicher Beschluss im Bundesbedarfsplan
  4. Eingrenzung in der Bundesfachplanung/Raumordnung
  5. Finalisierung in der Planfeststellung

Dieser Ablauf wird durch die vier großen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW und die Bundesnetzagentur organisiert. An vielen Stellen wird die Beteiligung der Öffentlichkeit ermöglicht – so auch beim Szenariorahmen. Zur Veröffentlichung dieses Beitrags läuft gerade die Konsultation eben dieses Szenariorahmens für den Zeitraum bis 2035. Was steckt dahinter?

Der Szenariorahmen beschreibt die Entwicklung des gesamten Energiesystems

Um die Erweiterung oder den Ausbau des Stromnetzes gut einschätzen zu können, muss man die bevorstehenden Entwicklungen im gesamten Energiesystem voraussagen. Dafür erarbeiten die Übertragungsnetzbetreiber gemeinsam mit Branchenverbänden, Wissenschaftlern und weiteren Experten die Entwürfe des Szenariorahmens. Dieser muss in jedem geraden Jahr für die jeweils nächsten 10-15 Jahre veröffentlicht werden und die bevorstehenden Entwicklungen beinhalten.

Die Entwicklungen werden in drei parallelen Szenarien zusammengefasst: eine eher konservative Entwicklung des Energiesystems, eine moderate Weiterentwicklung und eine sehr starke Transformation mit voranschreitender Energiewende. Diese Szenarien beinhalten den eigentlichen Strombedarf, die Sektorenkopplung (strombetriebene Wärmeversorgung & Elektromobilität), der Stromfluss im bestehenden Netz, Speicher, Großverbraucher, CO2-Emissionsziele, energiepolitische Vorgaben, neue Anwendungsbereiche sowie viele weitere Faktoren. Ein viertes Langfristszenario beschreibt noch weitere erwartete Entwicklungen der nächsten 20 Jahre. So soll ein möglichst genaues Bild der bevorstehenden Änderungen der Energiewelt gezeichnet werden.

Der Szenariorahmen 2021 bis 2035

Der aktuelle Entwurf konzentriert sich nun auf die voraussichtlichen Entwicklungen der Jahre 2021 bis 2035. Die Szenarien unterscheiden sich nach Netzorientierung (Rücksicht des Gesamtsystems auf die Belange des Stromnetzes) und voranschreitender Sektorkopplung. Ein Beispiel zur Unterscheidung der drei Szenarien kann man bei der Elektromobilität ablesen: im Szenario A wird eher an öffentlichen Schnellladesäulen aufgetankt, während im Szenario C eher „smart“ am Arbeitsplatz bzw. zu Hause aufgeladen wird.

Ein weiteres Beispiel ist der Kraftwerkspark: im Szenario A gibt es 2035 noch eine kleine Anzahl von Stein- und Braunkohlekraftwerken, während es im Szenario B und C schon gar keine derartigen Kraftwerke mehr – aber dafür mehr Gaskraftwerke – gibt.

Vom Januar bis 14. Februar 2020 läuft die öffentliche Konsultationsphase des aktuellen Szenariorahmens. So kann sich jeder mit einer Stellungnahme zum veröffentlichten Szenariorahmen äußern und seine eigenen Anmerkungen, Kritiken und Ideen einbringen. Die Bundesnetzagentur prüft diese Einsendungen (die werden wirklich gelesen!) und arbeitet sie womöglich in die Endfassung des Szenariorahmens ein. Dieser ist dann die Grundlage für den nachfolgenden Netzentwicklungsplan.

Den Szenariorahmen 2021-2035 findet man auf netzausbau.de