Die 5 besten Tipps zum Energiesparen im Haushalt

Die 5 besten Tipps zum Energiesparen im Haushalt

Du willst im Haushalt Energie sparen? Hier sind die 5 besten Tipps zum Energiesparen im eigenen Haushalt:

Ausschalten statt Standby

Diesen Schritt kannst du ohne weitere Investitionen sofort angehen: vor allem Entertainment-Geräte müssen immer richtig ausgeschaltet werden. Mit dem normalen Aus-Schalter startet meist nur der Standby-Modus – und dieser verbraucht immer noch jede Menge Energie – das kann im ganzen Jahr bis zu 20% der Stromrechnung ausmachen. Also: richtig ausschalten!

Dämmung optimieren

Über eine schlechte Wärmedämmung kann viel Energie unnötig verschwendet werden. Wände, das Dach und insbesondere Fenster sowie Türen tauschen ständig die Temperatur zwischen drinnen und draußen aus. Hier kannst du einiges machen: z. B. eine Doppelverglasung bei Fenstern vermeidet unnötigen Energieverlust insbesondere im Winter.

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Wie funktioniert der Lieferantenwechsel?

Wie funktioniert der Lieferantenwechsel?

Beim Lieferantenwechsel geht es um den Wechsel des Energieversorgers für eine Verbrauchsstelle. Der Kunde sucht sich einen neuen Versorger, schließt zum Beispiel im Internet den Vertrag ab und nun folgt der Lieferantenwechsel.

Der Prozess kann im Hintergrund recht komplex werden. Das bekommt der Kunde im Regelfall gar nicht mit und so wollen wir in diesem Beitrag für etwas mehr Klarheit sorgen.

In der deutschen Energiewirtschaft kann man sich prinzipiell komplett frei für den eigenen Energieversorger entscheiden. Und die Auswahl ist recht groß, denn sowohl im Strom-, als auch Gas-Markt gibt es heute etwa eintausend verschiedene Anbieter. Die Betonung liegt dabei auf heute. Noch vor wenigen Jahrzehnten sah man sich in Deutschland nämlich mit einer Monopolstruktur konfrontiert. Je nachdem wo man wohnte, gab es nur genau einen Versorger: den regionalen Betreiber der Kraftwerke und Stromleitungen. Das war in der Vergangenheit immer genau ein Unternehmen.

Nun sollte aber ein freier und wettbewerblicher Markt geschaffen werden. Dafür hat man das Energieunternehmen in verschiedene Rollen getrennt und damit alle Stromerzeuger und Versorger miteinander in Konkurrenz gesetzt. Einzig die Netzbetreiber verfügen immer noch über eine Art Monopol: die Stromleitungen. Dabei handelt es sich um ein geschlossenes System – die Betreiber sind aber gezwungen, alle Erzeuger und Versorger diskriminierungsfrei gleich zu behandeln.

So wurde es möglich, dass ein Anwohner in Kiel ein Versorgungsunternehmen aus seiner Region, aber auch aus Bayern, Sachsen oder sonst irgendwo wählen kann. Kunden können sich frei entscheiden, mit wem sie einen Vertrag abschließen wollen. Die Hintergründe sind unter dem Begriff Unbundling nochmal genauer erklärt.

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Nettostromerzeugung in Deutschland

Die Energiewende schreitet voran. Die Stromversorgung in Deutschland wird immer stärker aus erneuerbaren Energiequellen sichergestellt. Dementsprechend werden immer weniger fossile Brennstoffe und weniger Atomkraft benötigt. 

Die oft kontrovers und manchmal unfair diskutierte Energiewende kann man ganz greifbar machen. Dafür schauen wir uns einfach mal an, wie hoch der konkrete Erzeugungsanteil der diversen Energieträger in Deutschland heutzutage ist.

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Merit-Order im Stromhandel

Manche Kraftwerke können sich im Stromhandel ganz besonders gut vermarkten. Manch andere Kraftwerke laufen immer öfter nicht rentabel und müssten eigentlich so langsam, aber sicher abgestellt werden. Bei diesem Thema wird oft von der Merit-Order gesprochen. Was steckt eigentlich dahinter?

Die Merit-Order ist die Einsatzreihenfolge von Kraftwerken. Sie beschreibt, welche Kraftwerke zuerst eingesetzt werden und welche Kraftwerke nur dann laufen, wenn wirklich ganz besonders viel Bedarf vorhanden ist. Zusammengefasst beschreibt die Merit-Order, dass zuerst Erneuerbare Energien, dann Atomkraftwerke, dann Kohlekraftwerke und zuletzt Gaskraftwerke in Deutschland eingesetzt werden.

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Fernwärme – einfach erklärt


Was ist Fernwärme?

Für Fernwärme gibt es mehrere Definitionen:

1. Fernwärme ist die Wärmelieferung von einem zentralen Heizkraftwerk zur Versorgung von Gebäuden mit Heizung und Warmwasser über ein wärmegedämmmtes Rohrsystem.

2. Bei der lokalen Versorgung einzelner Gebäude oder kleiner Wohnsiedlungen mit eigener Wärmeerzeugung spricht man von Nahwärme – technisch und juristisch ist das aber auch Fernwärme.

Was genau steckt dahinter?
Unter Fernwärme versteht man die Versorgung von Haushalten oder anders genutzten Gebäuden mit Warmwasser und Heizungswärme – sie kommt gebrauchsfertig an und kann sofort genutzt werden.

Rechtliche Grundlage

Die rechtliche Grundlage für Fernwärme ist die Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme, kurz die AVBFernwärmeV.

Die AVBFernwärmeV ist 1980 in Kraft getreten und wurde 2010 zuletzt geändert.

Sie regelt in 37 Paragraphen die Versorgung von Kunden an Fernwärmenetzen, sie gilt für alle Kunden abgesehen von angeschlossenen Industrieanlagen.

Hier geht es zum Verordnungstext: gesetze-im-internet.de

Der Fernwärmeversorgungsvertrag

Der Fernwärmeversorgungsvertrag soll schriftlich abgeschlossen werden – er entsteht aber auch sofort mit der ersten Abnahme von Wärme.

Im Fernwärmeversorgungsvertrag sind vor allem zu regeln:

  • Art des Wärmeträgers
  • Menge der zu liefernden Wärme
  • Ort der Versorgung und exakte Übergabestelle
  • Technische Anschlussbedingungen
  • der Fernwärmepreis
  • die Preisänderungsklausel
  • Zutrittsrecht nach §16 AVBFernwärmeV
  • die Vertragslaufzeit (höchstens 10 Jahre)
  • Regeln zur Beendigung

Aber wie genau funktioniert Fernwärme?

Es beginnt in einem Heizkraftwerk: ganz klassisch wird in einer Brennkammer ein Brennstoff verbrannt. Dadurch entsteht Hitze, die über einen Wärmetauscher an einen Kreislauf weitergegeben wird.

Dieser Kreislauf sind die Fernwärmeleitungen, die jeder aus dem Stadtbild kennt. In diesen Leitungen ist eine Flüssigkeit oder ein Gasgemisch, das immer den gleichen Zustand hat und besonders heiß werden kann. Wie heiß? – das kommt auf die Länge der Leitung an, also wie weit die Wärme verteilt werden muss.

Dabei muss man vorherberechnen: wie heiß muss der Ausgangspunkt – also die Leitung am Heizkraftwerk – sein, um den letzten Kunden gleichwertig zu beheizen.

Wenn man eine große Stadt mit Fernwärme versorgen will, sollte man „Hitzestationen“ dazwischen bauen – zum Beispiel ein Blockheizkraftwerk. Diese „Hitzestationen“ geben jeweils nochmal Wärme dazu, um eine gewisse Grundwärme zu halten.

Ist der Haushalt an das Wärmenetz angeschlossen, geht die Hitze aus den Leitungen nun wieder über einen Wärmetauscher in das häusliche Wärmesystem, also in die eigene Heizung, bzw. das Warmwassersystem.

Das ist das Grundprinzip der Fernwärme.

Wie sieht es aus mit der Anschlusspflicht?

Der Anschlusszwang an das Fernwärmenetz kann durch Verordnungen der Kommunen aus verschiedenen Gründen herbeigeführt werden.
Gründe: Gemeinwohl (Daseinsversorge), Klimaschutz und der kommunale Bebauungsplan.

Eine Befreiung von dieser Anschlusspflicht ist auf Antrag möglich, wenn zum Beispiel die Wärmeenergie durch eine emissionsfreie Heizungsanlage erzeugt wird, wenn die Anlagen zur Wärmegewinnung auf Basis erneuerbarer Energien oder Abwärme eingesetzt werden oder wenn die Wärmegewinnung einem innovativen Wärmeversorgungskonzept entspricht. Macht euch hier am besten bei eurer Stadtverwaltung, Gemeindeverwaltung oder direkt beim Stadtwerk schlau.

Der Fernwärmemarkt - Monopol und unreguliert

Durch diesen Anschlusszwang entsteht ein Monopol, denn die Fernwärmeleitung kommt von einem Kraftwerk – dort kann kein anderer Wettbewerber ran – man ist automatisch bei dem einen Fernwärmebetreiber.

Darüber hinaus ist es ein unregulierter Markt, wo es keinen Wettbewerb, keine Preisprüfung und Preisfreigabe gibt – so wie wir es im Strom- und Gasmarkt kennen. Man hat keine Übersicht, ob sich die Kosten tatsächlich erhöhen oder ob der Preis einfach nur unfair ist.

Die Preisberechnungsmöglichkeiten sind für die Endkunden nicht durchschaubar. Meist ist es eine Zusammenwürfelung aus Grundpreis, Arbeitspreis, Leistungspreis und Messpreis – nach Formeln, die man als normaler Mensch und auch als Energiewirtschaftler nur schwer versteht.

Erste Bundesländer haben jetzt Vorgaben für Transparenz eingeführt. Denn in der Vergangenheit mussten die angewendeten Preise nicht veröffentlicht werden.

Erste Transparenz-Vorgaben sind:

  • Preise müssen öffentlich sein
  • Mix der Brennstoffe
  • wie hoch ist der Kohleanteil
  • und wie hoch ist der Gasanteil

Damit hört es aber noch nicht auf. Verbraucherschützer und Politik wollen den unregulierten Markt endlich freier gestalten und Monopole bekämpfen – es bleibt also spannend!

In einem späteren Beitrag gehen wir noch mal genauer auf die Heizkostenabrechnung ein.

Das war ein kleiner Überblick zum Thema Fernwärme.

Habt ihr Fragen hierzu oder sogar ein neues Wunschthema? Dann schreibt es einfach in die Kommentare.

Smart City – womit geht es los?

Im April letzten Jahres hatten wir grundlegend auf die Weiterentwicklung der Daseinsvorsorge geschaut – wie kann sich eine Stadt digital weiterentwickeln und zur Smart City werden? Wie kann das ländliche Gebiet zum Smart Country werden?

Der Autor ist Teil der Smart City Initiative im ostthüringischen Gera und setzt sich in der Arbeitsgruppe Energie/Umwelt für die Konzeption einer Energiewelt von Morgen ein. In diesem Beitrag wollen wir nun zeigen, womit eine Smart City los geht.

Die umfassende Transformation einer ganzen Stadt oder Region muss auf vielen Ebenen ablaufen. Da die Anwendungszwecke der digitalisierten Stadt praktisch überall zu spüren sind, muss auch fast jeder mit an den Tisch und an der Entwicklung arbeiten. Die Stadtwerke und Stadtverwaltung genießen ein hohes Vertrauen und sind mit den nötigen Einblicken und Kenntnissen versehen. Jedoch dürfen die Entwicklungen nicht an den tatsächlichen Interessen der Bürger vorbei gehen – also gehören offene Versammlungen, Workshops und Abstimmungen dringend zu den ersten organisatorischen Mitteln.

Bei der Initiative Smart City Gera starteten wir mit einer offenen Ideenkonferenz. Hier haben unter anderem Bürger, Politiker und Unternehmer mit der lokalen Hochschule und der Stadtverwaltung über konkrete Ideen für eine Smart City Gera diskutiert. Ein Teil dieser Ideen wurde zusammengeführt und in einen Fördermittelantrag geschrieben. Eine Vielzahl von Bundes- und Landesministerien, die KfW und verschiedene Stiftungen haben Fördertöpfe für Smart Cities geöffnet, sodass je nach Themenansatz verschiedene Empfänger in Frage kommen könnten. In unserem Fall hat das Bundesinnenministerium den Zuschlag erteilt.

Anschließend wurden alle Bürger zu einer offenen Vollversammlung geladen. Nach einer allgemeinen Diskussion der bevorstehenden Fördermöglichkeiten bildeten sich erste Arbeitsgruppen rund um größere Themengebiete:

  • Stadtentwicklung/Verkehr
  • Energie/Umwelt
  • Bürgerbeteiligung
  • Bildung
  • Wirtschaft

Unser spezieller Fördertopf sieht eine Konzeptphase von zwei Jahren und eine anschließende Projektierung von fünf Jahren vor. Daher arbeiten unsere Arbeitsgruppen aktuell an vielen strategischen, aber auch ganz konkreten Ansätzen für den jeweiligen Themenbereich. Die Ideen werden anschließend in einem größeren Strategiekreis zusammengeführt und abgeglichen. Überschneidungen führen zu gemeinsamen Arbeitssitzungen und eventuell gemeinsamen Projektkonzepten. Da die Arbeitsgruppen grundsätzlich öffentlich tagen und sich in einem öffentlichen Forum austauschen, können alle Bürger jederzeit mitmachen. Aber natürlich müssen auch wir uns damit beschäftigen, wie man Themen wirksam publiziert und Interessenten anzieht. 

Glücklicherweise verfügen wir in Gera bereits über ein LoRaWAN, ein ziemlich flächendeckendes Kommunikationsnetz für Geräte – praktisch eine Art WLAN für Sensoren. Daher können wir neben den strategischen Projektkonzepten auch an ganz kurzfristigen Anwendungen arbeiten. Unsere bereits bestehenden Umweltsensoren könnten wir erweitern oder neue Sensorarten verbauen. Aber sowohl bei den langfristigen, als auch bei den kurzfristigen Ideen kommt es auf die konkreten Menschen an: Visionäre, Querdenker, aber vor allem richtige Macher. Ideen müssen natürlich diskutiert werden, aber dürfen nicht endlose Runden drehen. Irgendwann muss einfach losgelegt werden.

Stromnetzausbau: was ist der Szenariorahmen?

Das deutsche Stromnetz ist etwa 1,85 Millionen Kilometer lang. Das entspricht fast der fünffachen Entfernung des Mondes von der Erde. Der mit Abstand größte Anteil des Stromnetz ist die sogenannte Niederspannung – diese Kabel liegen direkt an unseren Häusern, verbinden kleine Erzeugungsanlagen mit normalen Verbrauchern und ziehen sich unterirdisch quer durch unsere Städte.

Der Zustand des Stromnetzes muss ständig neu überwacht und eingeschätzt werden. Welche Leitungen müssen gewartet werden, wo bieten sich Erweiterungen an und welcher Neubau ist tatsächlich notwendig?

Für den Netzausbau wird in Deutschland ein aufwändiger Prozess mit fünf großen Schritten angewendet:

  1. Ermittlung des Szenariorahmens
  2. Erarbeitung der Netzentwicklungspläne
  3. Rechtlicher Beschluss im Bundesbedarfsplan
  4. Eingrenzung in der Bundesfachplanung/Raumordnung
  5. Finalisierung in der Planfeststellung

Dieser Ablauf wird durch die vier großen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW und die Bundesnetzagentur organisiert. An vielen Stellen wird die Beteiligung der Öffentlichkeit ermöglicht – so auch beim Szenariorahmen. Zur Veröffentlichung dieses Beitrags läuft gerade die Konsultation eben dieses Szenariorahmens für den Zeitraum bis 2035. Was steckt dahinter?

Der Szenariorahmen beschreibt die Entwicklung des gesamten Energiesystems

Um die Erweiterung oder den Ausbau des Stromnetzes gut einschätzen zu können, muss man die bevorstehenden Entwicklungen im gesamten Energiesystem voraussagen. Dafür erarbeiten die Übertragungsnetzbetreiber gemeinsam mit Branchenverbänden, Wissenschaftlern und weiteren Experten die Entwürfe des Szenariorahmens. Dieser muss in jedem geraden Jahr für die jeweils nächsten 10-15 Jahre veröffentlicht werden und die bevorstehenden Entwicklungen beinhalten.

Die Entwicklungen werden in drei parallelen Szenarien zusammengefasst: eine eher konservative Entwicklung des Energiesystems, eine moderate Weiterentwicklung und eine sehr starke Transformation mit voranschreitender Energiewende. Diese Szenarien beinhalten den eigentlichen Strombedarf, die Sektorenkopplung (strombetriebene Wärmeversorgung & Elektromobilität), der Stromfluss im bestehenden Netz, Speicher, Großverbraucher, CO2-Emissionsziele, energiepolitische Vorgaben, neue Anwendungsbereiche sowie viele weitere Faktoren. Ein viertes Langfristszenario beschreibt noch weitere erwartete Entwicklungen der nächsten 20 Jahre. So soll ein möglichst genaues Bild der bevorstehenden Änderungen der Energiewelt gezeichnet werden.

Der Szenariorahmen 2021 bis 2035

Der aktuelle Entwurf konzentriert sich nun auf die voraussichtlichen Entwicklungen der Jahre 2021 bis 2035. Die Szenarien unterscheiden sich nach Netzorientierung (Rücksicht des Gesamtsystems auf die Belange des Stromnetzes) und voranschreitender Sektorkopplung. Ein Beispiel zur Unterscheidung der drei Szenarien kann man bei der Elektromobilität ablesen: im Szenario A wird eher an öffentlichen Schnellladesäulen aufgetankt, während im Szenario C eher „smart“ am Arbeitsplatz bzw. zu Hause aufgeladen wird.

Ein weiteres Beispiel ist der Kraftwerkspark: im Szenario A gibt es 2035 noch eine kleine Anzahl von Stein- und Braunkohlekraftwerken, während es im Szenario B und C schon gar keine derartigen Kraftwerke mehr – aber dafür mehr Gaskraftwerke – gibt.

Vom Januar bis 14. Februar 2020 läuft die öffentliche Konsultationsphase des aktuellen Szenariorahmens. So kann sich jeder mit einer Stellungnahme zum veröffentlichten Szenariorahmen äußern und seine eigenen Anmerkungen, Kritiken und Ideen einbringen. Die Bundesnetzagentur prüft diese Einsendungen (die werden wirklich gelesen!) und arbeitet sie womöglich in die Endfassung des Szenariorahmens ein. Dieser ist dann die Grundlage für den nachfolgenden Netzentwicklungsplan.

Den Szenariorahmen 2021-2035 findet man auf netzausbau.de

Energiepolitik Einfach: Kohleausstieg und Strukturwandel

In der Artikelreihe Energiepolitik Einfach werden politische Statements, Anfragen und Antworten aus dem Bundestag und Landtagen vorgestellt und eingeordnet. Energiewirtschaft Einfach bemüht sich dabei nicht immer um Neutralität.

Heute fassen wir sechs Antworten der Bundesregierung auf kleine Anfragen aus dem Bundestag zum Kohleausstieg zusammen.

Die voranschreitende Energiewende und der damit verbundene Kohleausstieg sind unvermeidliche Voraussetzungen für das Verlangsamen des weltweiten Klimawandels. Da er mit intensiven gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen einher geht, stellen sich natürlich viele Fragen rund um die konkrete Umsetzung.

In der Bundestagsdrucksache 19/10184 vom 15.03.2019 hat die Regierung auf Fragen der FDP zu den „Ökonomischen Auswirkungen eines vorfristigen Ausstiegs aus der Kohleverstromung“ geantwortet: der Kohleausstieg könnte einen kurzfristigen Anstieg von Stromhandelspreisen ergeben. Der steigende Anteil erneuerbarer Energien würde aufgrund von Skaleneffekten wieder eine Preissenkung mit sich bringen. Für Endverbraucherpreise kommt es schlussendlich aber auf die Entwicklung der weiteren Preisbestandteile wie EEG-Umlage und Netzentgelte an. Unklar ist aber noch, wie sich CO2- und Brennstoffpreise verändern würden.

In einer weiteren FDP-Anfrage zur „Herkunft und Verwendung der Strukturhilfen für die vom Kohleausstieg betroffenen Länder“ vom 03.06.2019 unter Drucksache 19/10557 wird darauf hingewiesen, dass Zuweisungen und Quellen von Finanzmitteln nicht abschließend festgelegt sind. Gleichzeitig sollen insbesondere an strukturschwachen Standorten von Kohlekraftwerken, an denen der Kohlesektor wirtschaftlich und gesellschaftlich sehr relevant ist, eine besondere finanzielle Unterstützung von Projekten stattfinden. Eine konkrete Grundlage für Finanzhilfen wird mit dem neuen Investitionsgesetz Kohleregionen geschaffen.

Weiterhin hat die FDP unter Drucksache 19/10556 Antworten der Bundesregierung zu den „Folgen des Kohleausstiegs für die Energieversorgung im Saarland“ bekommen. Während eingangs darauf hingewiesen wird, dass Stromflüsse und Energiehandel im europäischen Binnenmarkt grundsätzlich überregional funktionieren und daher keine Aussagen zu Energiemengen im Saarland getroffen werden, ergeben sich dann zwei interessante Kennzahlen zum Anteil der Steinkohle an der regionalen Wertschöpfung im Saarland: im Landkreis Saarlouis lieg der Anteil bei 0,37 % und im Regionalverband Saarbrücken bei 0,2 %. Die Bundesregierung sieht abhängig von der wirtschaftlichen Ausgangslage Strukturhilfen für Steinkohlestandorte mit mindestens 0,2 % Wertschöpfungsanteil vor.

Unter den Bundestagsdrucksachen 19/11680 und 19/11681 vom 16.07.2019 beantwortet die Regierung Fragen der Grünen zum „Kabinettsbeschluss ‚Eckpunkte zur Strukturförderung von Kohleregionen‘ und Auswirkungen auf das Rheinische Revier“ respektive „[…] auf die Lausitz“. Zur Absicherung versprochener Strukturfördermittel sind für das kommende Jahr eine halbe Milliarde Euro für den Strukturwandel Kohlepolitik vorgesehen. Für die darüber hinaus gehenden Jahre bis 2038 wird eine Bund-Länder-Vereinbarung „Sicherung der Strukturhilfe für die Braunkohleregionen“ abgeschlossen. Zu konkreten Maßnahmen bleibt sie weitgehend schwammig, erklärt aber innerhalb von zehn Jahren 5.000 Arbeitsplätze in den bundesweiten Kohlerevieren allein durch Bundesbehörden zu schaffen. In der dazugehörigen Drucksache 19/11679 zum angesprochenen Kabinettsbeschluss werden die zur Förderung vorgeschlagenen Projekte für das sogenannte Sofortprogramm für Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen aufgezählt.

Was ändert die MaKo2020 für Übertragungsnetzbetreiber?

Die MaKo2020 – Marktkommunikation 2020 – ist die umfassendste regulatorische Änderung der deutschen Energiewirtschaft seit dem Unbundling. Über diese Änderungen wurde schon oft gesprochen, aber selten die wirklichen Konsequenzen für den Alltag hervorgehoben. 

Aber genau diese Aufgaben hat sich Energiewirtschaft Einfach gesetzt: 
Wir brechen das Kleingedruckte der MaKo2020 auf ganz praktische Auswirkungen im Alltag der Mitarbeiter herunter.

Im ersten Beitrag zur praktischen Auswirkung der MaKo2020 haben wir uns die konkrete Umstellung am 1. Dezember 2019 angeschaut. Im zweiten Beitrag ging es um Änderungen in der Stammdatenstruktur und die Netznutzungsabrechnung. Danach ging es um die beiden neuen EDI@Energy-Datenformate COMDIS und UTILTS. Letzte Woche betrachten wir die neue Version des Prozessdokuments MPES. Und heute geht es um die Änderungen für Übertragungsnetzbetreiber.

ÜNB bekommen neuen Aufgaben

Das Inkrafttreten des Messstellenbetriebsgesetzes Ende 2016, der bevorstehende Smart Meter Rollout, Interimsmodell und Zielmodell sowie die dazwischen liegende MaKo2020 bilden die größte regulatorische Änderung der Energiewirtschaft seit Jahren. Im Zuge dieser Änderungen nehmen die Übertragungsnetzbetreiber eine neue Rolle ein. Während sie in den typischen energiewirtschaftlichen Alltagsprozessen bisher nur als Bilanzkoordinator aufgetreten sind und im Hintergrund die Regel- und Ausgleichsenergie verwalteten, werden die ÜNB Ende 2019 mit neuen Aufgaben und Verantwortungen rund um Stammdaten, Energiemengen und die Bilanzierung von intelligenten Messsystemen ausgestattet.

  • Aggregationsverantwortung für Energiemengen aller verbrauchenden und einspeisenden Marktlokationen mit intelligenten Messsystemen (iMS)
    • Übertragung aller iMS-Energiemengen vom MSB an den ÜNB – eine Auflistung kann der MaKo2020-WiM unter BK6-18-032 Anlage 2 im Kapitel III.2.6.9 (pdf) gefunden werden
    • die Prozesse Messwertanforderung und Reklamation Messwert können vom ÜNB an den MSB ausgelöst werden, ein Messwertstorno kann vom MSB an den ÜNB gesendet werden
    • nach erfolgtem Smart Meter Rollout werden dem ÜNB Werte aus dem iMS z. B. bzgl. EEG-Marktlokationen direkt übersendet, siehe MaKo2020-WiM im Kapitel III.2.10
  • Aggregation der Marktlokationswerte zu Bilanzkreissummenzeitreihen als Ausgangspunkt für die Bilanzkreisabrechnung
    • die Austauschprozesse mit dem ÜNB sind in der MaKo2020-MaBiS unter BK6-18-032 Anlage 4 (pdf) beschrieben
  • Einbeziehung der ÜNB in die Stammdatensynchronisation bei iMS-Marktlokationen
    • jegliche Stammdatenänderungen betroffener Marktlokationen werden dem Übertragungsnetzbetreiber gesendet
    • übermittelt der Verteilnetzbetreiber eine Stammdatenänderung an den Lieferanten, der diese wiederum an den ÜNB spiegelt und dieser sendet seinen neuen Stammdatenstand an den initialen Verteilnetzbetreiber der sich nun bestätigt fühlt – jetzt sind alle beteiligten Marktteilnehmer auf dem gleichen Kenntnisstand
    • in den GPKE werden die Stammdatenänderungs- und Geschäftsdatenanfrage-Prozesse mit dem ÜNB unter III Übergreifende Prozesse beschrieben, zu finden unter BK6-18-032 Anlage 1 (pdf)
  • Standardisierung von Regelungen zum sicheren Austausch im Fahrplanprozess zwischen ÜNB und BKV
    • das Dokument BK6-18-032 Anlage 6 (pdf) regelt den elektronischen Datenaustausch von Anlagenfahrplänen per E-Mail
  • ab dem 1. Februar 2020 kann die Umstellung der Datenaggregation von Marktlokationen auf den ÜNB mit Wirkung zum 1. April 2020 vorgenommen werden
    • das BDEW-Feinkonzept zur Einführung der MaKo2020 (pdf) beschreibt die Umstellung unter Kapitel 4

vorgezogene Sofort-Maßnahme zum 1. Oktober 2019

Wie an anderer Stelle schon berichtet wurde, war die deutsche Energiewirtschaft im Juni mit starken Preisschwankungen im Stromgroßhandel konfrontiert. Diese Schwankungen ergaben sich vermutlich aus manipulativem Verhalten von Marktteilnehmern. Um die Korrektheit von Prognosen und die nachträgliche Korrektur im Regel- bzw. Ausgleichsenergiemarkt zu verbessern, hat die Bundesnetzagentur bereits zum 1. Oktober 2019 eine Anpassung in der Meldepflicht für verschiedene Marktrollen beschlossen.

Die BNetzA-Beschlusskammer 6 fordert unter Aktenzeichen BK6-19-218 von den Übertragungsnetzbetreibern ein hartes Durchgreifen bei Pflichtverletzungen der Marktteilnehmer bis hin zur Kündigung von Bilanzkreisverträgen. Um dieses Durchgreifen überhaupt erst zu ermöglichen sollen also schon zum 1. Oktober 2019 diverse Datensätze regelmäßig an die Übertragungsnetzbetreiber gesendet werden:

  • werktägliche Übermittlung aller Messwerte von RLM-Marktlokationen an die ÜNB
    • alle Verbrauchs- und Erzeugungs-RLM-Messwerte müssen am Folgetag des ÜNB gesendet werden
    • die ÜNB sollen damit die Kraftwerks-/ Anlagen-Fahrpläne der Bilanzkreisverantwortlichen abgleichen können
    • bisher haben die ÜNB derartige Messwerte erst nach Wochen über entsprechende Zeitreihen erhalten – zu spät für wirksame Prüfungen
  • Stammdaten von RLM-Marktlokationen werden zum 1. und 15. Kalendertag per Lieferantenclearingliste vom Verteilnetzbetreiber an den ÜNB gesendet
    • gilt während des auslaufenden Interimsmodells bis 1. Dezember 2019
  • RLM-Messwerte werden vom VNB parallel zur bestehenden werktäglichen Übermittlung an den Lieferanten auch an den ÜNB gesendet
    • gilt während des auslaufenden Interimsmodells bis 1. Dezember 2019
  • Lieferanten führen die Stammdatensynchronisation mit dem ÜNB für alle RLM-Marktlokationen durch
    • nicht nur für die per MaKo2020 in der ÜNB-Datenaggregationsverantwortung befindlichen RLM-MaLo
  • mit der MaKo2020 nehmen Messstellenbetreiber den ÜNB werktäglich als weiteren Empfänger in alle Messwertübertragungen auf

Bezüglich dieser „Sofort-Maßnahme“ (Link zur BNetzA) zur Sicherstellung des Ausgleichs von Bilanzkreisen konnten alle Marktakteure bis zum 9. August 2019 bei der Bundesnetzagentur Stellungnahmen abgeben. Der Branchenverband BDEW hat recht deutlich darauf hingewiesen, dass eine Umsetzung bis Oktober nicht realisierbar sei (pdf).

Der erste Beitrag handelt hier von der konkreten Umstellung zum Dezember 2019. Der zweite Beitrag zu Stammdaten und dem Lieferschein ist hier veröffentlicht. Der dritte Beitrag über die neuen Datenformate ist hier zu finden. Der vierte Beitrag über die MPES ist hier verlinkt.

In den nächsten Beiträgen zur MaKo2020 gehen wir auf weitere konkrete Änderungen in den Prozessdokumenten ein.

Bis dahin lässt sich einiges aus dem BDEW-Grobkonzept und -Feinkonzept zur Einführung der MaKo2020 entnehmen. Da diese Dokumente, die GPKE und co. aber nur schwer zu durchschauen sind, bietet sich das beste Seminar rund um MaKo2020 an: