Wie funktioniert Unbundling?

Wie funktioniert Unbundling?

Die Unternehmen der Energiewirtschaft sind voneinander getrennt. Kraftwerke, Netzbetreiber und Versorger wurden mit dem Unbundling wortwörtlich entflochten. Warum das auch dringend notwendig war, beschreiben wir in diesem Blogbeitrag.

Früher hat das Energieunternehmen alles gemacht. Kraftwerksbetrieb, Netzbetrieb, Messung, Versorgung wurden aus einer Hand erledigt. Die meisten Energieversorgungsunternehmen entstanden aus den ersten Kraftwerksbetreibern – dabei wurden natürlich Strom- und Wärmeleitungen gebaut, mehr und mehr Verbraucher angeschlossen und dort auch Zähler verbaut. 

So entstand ein in sich geschlossenes und funktionierendes System. Ein natürliches Monopol. Denn aus Sicht des Verbrauchers gab es keine Wahl – das eine Energieunternehmen vor Ort konnte mich anschließen oder eben nicht. Ich konnte versorgt werden oder eben nicht. Während diese Situation für das Energieunternehmen recht angenehm war, musste sicht aus Verbrauchersicht natürlich etwas ändern.

Und so hat 1996 die EU-Richtlinie 96/92/EG den sogenannten Elektrizitätsbinnenmarkt eingeführt. Dahinter steckt ein europaweiter zusammenhängender Energiemarkt. Doch für einen Markt brauchen wir Wettbewerb – und damit wurde auch die Entflechtung der bisherigen Monopolstruktur gefordert. Zwei Jahre später wurde das Energiewirtschaftsgesetz erstmals seit vielen Jahrzehnten angefasst.

Mit dem EnWG 1998 wurden die Grundlagen für das Unbundling gelegt. Mit weiteren Anpassungen ergab sich über das nächste Jahrzehnt eine ernsthafte Trennung der energiewirtschaftlichen Aufgaben – zumindest ab einer bestimmten Unternehmensgröße.

Die Stufen des Unbundling

Nicht jedes Energieunternehmen – vor allem Stadtwerk – muss sich komplett entflechten. Die wichtigste Unterscheidung liegt in der Anzahl angeschlossener Kunden an das jeweilige Netz. Ab 100.000 Anschlüssen muss der Netzbetreiber separat von der Versorgermarke arbeiten. 

alle:

buchhalterisch 
die kaufmännischen Buchungen, Konten und Bilanzen werden entflochten

der Netzbetrieb und die Kundenversorgung werden finanziell voneinander getrennt betracht

informatorisch 
die Kundendaten, Datenbanken und IT-Systeme werden entflochten

der Login in die Systeme des Netzbetreibers wird vom Login in das Kundenversorgungssystem  getrennt

ab 100.000 angeschlossenen Kunden:

operativ 
die Mitarbeiter und Führungskräfte werden entflochten

die Mitarbeiter-Standorte werden voneinander getrennt, damit Kundendaten nicht zugerufen werden können

gesellschaftsrechtlich
die Geschäftsbereiche (GmbHs) werden entflochten

Netzbetrieb und Kundenversorgung werden in zwei GmbHs getrennt, damit die Geschäfte komplett separat laufen können

nur Übertragungsnetzbetreiber:

eigentumsrechtlich
die Eigentumsverhältnisse im Konzern (Holding) werden entflochten

Netz und Versorgung dürfen nicht mehr im gleichen Mutterkonzern sein, um eine völlige Trennung sicherzustellen

Mit diesen Trennungen soll die diskriminierungsfreie Gleichbehandlung aller Wettbewerber erreicht werden. So kann „der eigene Versorger“ nicht bessergestellt werden, als ein beliebiges anderes Unternehmen.

Als Ergebnis haben wir heute etwa 1.300 Stromversorger und etwa 1.000 Gasversorger, die miteinander im gleichberechtigten Wettbewerb stehen. Jeder Kunde kann jederzeit frei entscheiden, mit welchem Versorger ein Vertrag abgeschlossen wird.

Was muss beim Lieferantenwechsel beachtet werden?

Was muss beim Lieferantenwechsel beachtet werden?

Kürzlich haben wir uns den eigentlichen Prozess des Lieferantenwechsels angeschaut. Heute soll es nochmal darum gehen, was beim Lieferantenwechsel im Alltag beachtet werden muss.

Was muss ich als Kunde beachten?

Wenn ich meinen Energieversorger wechseln möchte, gehe ich heutzutage einfach ins Internet. Auf einem Preis-Vergleichsportal oder auf der Website des Versorgers kann ich einen Tarif wählen, die Kundendaten eingeben und das gewünschte Beginndatm auswählen. Und dann klappt das einfach?

Tatsächlich steckt ja noch einiges hinter dem Prozess. Das haben wir im anderen Beitrag schon gezeigt. Die wichtigste Grundlage für den Erfolg sind korrekt angegebene Kundendaten. Wenn bisher der Ehepartner für die Stromversorgung angemeldet ist, kann der neue Vertrag nicht ganz so einfach auf meinen eigenen Namen angemeldet werden. Der Wechsel kann nur dann automatisch durchlaufen, wenn die Daten auf allen Seiten übereinstimmen. 

Ich muss meine Zählernummer korrekt angeben. Der automatische Lieferantenwechsel-Prozess kann nur durchlaufen, wenn die ganz konkrete Lieferstelle meines Stromzählers sowohl im Versorger- als auch Netzbetreiber-System gefunden werden kann. Die entsprechende Zählernummer finde ich auf dem Gerät selbst. Sie steht meist unter dem eigentlichen Zählerstand. Ich finde die Nummer aber auch auf meiner letzten Stromrechnung. Dort steht auch die sogenannte Marktlokations-ID. Diese ist sogar noch genauer und hilft meinem Versorger im weiteren Anmeldeprozess. Diese Nummer kann man bei vielen Versorgern direkt im Anmeldeprozess mit angeben. Hinter der Marktlokation steckt die eineindeutige Bezeichnung für die eigene Versorgungsstelle. Wenn diese korrekt angegeben ist, kann fast nichts mehr schief gehen.

Letzter wichtiger Aspekt: mein neuer Versorger kann mich nicht einfach so von Heute auf Morgen in die Belieferung nehmen. Für die Abwicklung des Prozesses muss ich mindestens zwei Wochen – besser mehr – Vorlauf einplanen. Und dann muss der Termin auch zur Kündigungsfrist bei meinem bisherigen Versorger passen.

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Die 5 besten Tipps zum Energiesparen im Haushalt

Die 5 besten Tipps zum Energiesparen im Haushalt

Du willst im Haushalt Energie sparen? Hier sind die 5 besten Tipps zum Energiesparen im eigenen Haushalt:

Ausschalten statt Standby

Diesen Schritt kannst du ohne weitere Investitionen sofort angehen: vor allem Entertainment-Geräte müssen immer richtig ausgeschaltet werden. Mit dem normalen Aus-Schalter startet meist nur der Standby-Modus – und dieser verbraucht immer noch jede Menge Energie – das kann im ganzen Jahr bis zu 20% der Stromrechnung ausmachen. Also: richtig ausschalten!

Dämmung optimieren

Über eine schlechte Wärmedämmung kann viel Energie unnötig verschwendet werden. Wände, das Dach und insbesondere Fenster sowie Türen tauschen ständig die Temperatur zwischen drinnen und draußen aus. Hier kannst du einiges machen: z. B. eine Doppelverglasung bei Fenstern vermeidet unnötigen Energieverlust insbesondere im Winter.

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Wie funktioniert der Lieferantenwechsel?

Wie funktioniert der Lieferantenwechsel?

Beim Lieferantenwechsel geht es um den Wechsel des Energieversorgers für eine Verbrauchsstelle. Der Kunde sucht sich einen neuen Versorger, schließt zum Beispiel im Internet den Vertrag ab und nun folgt der Lieferantenwechsel.

Der Prozess kann im Hintergrund recht komplex werden. Das bekommt der Kunde im Regelfall gar nicht mit und so wollen wir in diesem Beitrag für etwas mehr Klarheit sorgen.

In der deutschen Energiewirtschaft kann man sich prinzipiell komplett frei für den eigenen Energieversorger entscheiden. Und die Auswahl ist recht groß, denn sowohl im Strom-, als auch Gas-Markt gibt es heute etwa eintausend verschiedene Anbieter. Die Betonung liegt dabei auf heute. Noch vor wenigen Jahrzehnten sah man sich in Deutschland nämlich mit einer Monopolstruktur konfrontiert. Je nachdem wo man wohnte, gab es nur genau einen Versorger: den regionalen Betreiber der Kraftwerke und Stromleitungen. Das war in der Vergangenheit immer genau ein Unternehmen.

Nun sollte aber ein freier und wettbewerblicher Markt geschaffen werden. Dafür hat man das Energieunternehmen in verschiedene Rollen getrennt und damit alle Stromerzeuger und Versorger miteinander in Konkurrenz gesetzt. Einzig die Netzbetreiber verfügen immer noch über eine Art Monopol: die Stromleitungen. Dabei handelt es sich um ein geschlossenes System – die Betreiber sind aber gezwungen, alle Erzeuger und Versorger diskriminierungsfrei gleich zu behandeln.

So wurde es möglich, dass ein Anwohner in Kiel ein Versorgungsunternehmen aus seiner Region, aber auch aus Bayern, Sachsen oder sonst irgendwo wählen kann. Kunden können sich frei entscheiden, mit wem sie einen Vertrag abschließen wollen. Die Hintergründe sind unter dem Begriff Unbundling nochmal genauer erklärt.

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Nettostromerzeugung in Deutschland

Die Energiewende schreitet voran. Die Stromversorgung in Deutschland wird immer stärker aus erneuerbaren Energiequellen sichergestellt. Dementsprechend werden immer weniger fossile Brennstoffe und weniger Atomkraft benötigt. 

Die oft kontrovers und manchmal unfair diskutierte Energiewende kann man ganz greifbar machen. Dafür schauen wir uns einfach mal an, wie hoch der konkrete Erzeugungsanteil der diversen Energieträger in Deutschland heutzutage ist.

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Merit-Order im Stromhandel

Manche Kraftwerke können sich im Stromhandel ganz besonders gut vermarkten. Manch andere Kraftwerke laufen immer öfter nicht rentabel und müssten eigentlich so langsam, aber sicher abgestellt werden. Bei diesem Thema wird oft von der Merit-Order gesprochen. Was steckt eigentlich dahinter?

Die Merit-Order ist die Einsatzreihenfolge von Kraftwerken. Sie beschreibt, welche Kraftwerke zuerst eingesetzt werden und welche Kraftwerke nur dann laufen, wenn wirklich ganz besonders viel Bedarf vorhanden ist. Zusammengefasst beschreibt die Merit-Order, dass zuerst Erneuerbare Energien, dann Atomkraftwerke, dann Kohlekraftwerke und zuletzt Gaskraftwerke in Deutschland eingesetzt werden.

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Fernwärme – einfach erklärt

Was ist Fernwärme?

Für Fernwärme gibt es mehrere Definitionen:

1. Fernwärme ist die Wärmelieferung von einem zentralen Heizkraftwerk zur Versorgung von Gebäuden mit Heizung und Warmwasser über ein wärmegedämmmtes Rohrsystem.

2. Bei der lokalen Versorgung einzelner Gebäude oder kleiner Wohnsiedlungen mit eigener Wärmeerzeugung spricht man von Nahwärme – technisch und juristisch ist das aber auch Fernwärme.

Was genau steckt dahinter?
Unter Fernwärme versteht man die Versorgung von Haushalten oder anders genutzten Gebäuden mit Warmwasser und Heizungswärme – sie kommt gebrauchsfertig an und kann sofort genutzt werden.

Rechtliche Grundlage

Die rechtliche Grundlage für Fernwärme ist die Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme, kurz die AVBFernwärmeV.

Die AVBFernwärmeV ist 1980 in Kraft getreten und wurde 2010 zuletzt geändert.

Sie regelt in 37 Paragraphen die Versorgung von Kunden an Fernwärmenetzen, sie gilt für alle Kunden abgesehen von angeschlossenen Industrieanlagen.

Hier geht es zum Verordnungstext: gesetze-im-internet.de

Der Fernwärmeversorgungsvertrag

Der Fernwärmeversorgungsvertrag soll schriftlich abgeschlossen werden – er entsteht aber auch sofort mit der ersten Abnahme von Wärme.

Im Fernwärmeversorgungsvertrag sind vor allem zu regeln:

  • Art des Wärmeträgers
  • Menge der zu liefernden Wärme
  • Ort der Versorgung und exakte Übergabestelle
  • Technische Anschlussbedingungen
  • der Fernwärmepreis
  • die Preisänderungsklausel
  • Zutrittsrecht nach §16 AVBFernwärmeV
  • die Vertragslaufzeit (höchstens 10 Jahre)
  • Regeln zur Beendigung

Aber wie genau funktioniert Fernwärme?

Es beginnt in einem Heizkraftwerk: ganz klassisch wird in einer Brennkammer ein Brennstoff verbrannt. Dadurch entsteht Hitze, die über einen Wärmetauscher an einen Kreislauf weitergegeben wird.

Dieser Kreislauf sind die Fernwärmeleitungen, die jeder aus dem Stadtbild kennt. In diesen Leitungen ist eine Flüssigkeit oder ein Gasgemisch, das immer den gleichen Zustand hat und besonders heiß werden kann. Wie heiß? – das kommt auf die Länge der Leitung an, also wie weit die Wärme verteilt werden muss.

Dabei muss man vorherberechnen: wie heiß muss der Ausgangspunkt – also die Leitung am Heizkraftwerk – sein, um den letzten Kunden gleichwertig zu beheizen.

Wenn man eine große Stadt mit Fernwärme versorgen will, sollte man „Hitzestationen“ dazwischen bauen – zum Beispiel ein Blockheizkraftwerk. Diese „Hitzestationen“ geben jeweils nochmal Wärme dazu, um eine gewisse Grundwärme zu halten.

Ist der Haushalt an das Wärmenetz angeschlossen, geht die Hitze aus den Leitungen nun wieder über einen Wärmetauscher in das häusliche Wärmesystem, also in die eigene Heizung, bzw. das Warmwassersystem.

Das ist das Grundprinzip der Fernwärme.

Wie sieht es aus mit der Anschlusspflicht?

Der Anschlusszwang an das Fernwärmenetz kann durch Verordnungen der Kommunen aus verschiedenen Gründen herbeigeführt werden.
Gründe: Gemeinwohl (Daseinsversorge), Klimaschutz und der kommunale Bebauungsplan.

Eine Befreiung von dieser Anschlusspflicht ist auf Antrag möglich, wenn zum Beispiel die Wärmeenergie durch eine emissionsfreie Heizungsanlage erzeugt wird, wenn die Anlagen zur Wärmegewinnung auf Basis erneuerbarer Energien oder Abwärme eingesetzt werden oder wenn die Wärmegewinnung einem innovativen Wärmeversorgungskonzept entspricht. Macht euch hier am besten bei eurer Stadtverwaltung, Gemeindeverwaltung oder direkt beim Stadtwerk schlau.

Der Fernwärmemarkt - Monopol und unreguliert

Durch diesen Anschlusszwang entsteht ein Monopol, denn die Fernwärmeleitung kommt von einem Kraftwerk – dort kann kein anderer Wettbewerber ran – man ist automatisch bei dem einen Fernwärmebetreiber.

Darüber hinaus ist es ein unregulierter Markt, wo es keinen Wettbewerb, keine Preisprüfung und Preisfreigabe gibt – so wie wir es im Strom- und Gasmarkt kennen. Man hat keine Übersicht, ob sich die Kosten tatsächlich erhöhen oder ob der Preis einfach nur unfair ist.

Die Preisberechnungsmöglichkeiten sind für die Endkunden nicht durchschaubar. Meist ist es eine Zusammenwürfelung aus Grundpreis, Arbeitspreis, Leistungspreis und Messpreis – nach Formeln, die man als normaler Mensch und auch als Energiewirtschaftler nur schwer versteht.

Erste Bundesländer haben jetzt Vorgaben für Transparenz eingeführt. Denn in der Vergangenheit mussten die angewendeten Preise nicht veröffentlicht werden.

Erste Transparenz-Vorgaben sind:

  • Preise müssen öffentlich sein
  • Mix der Brennstoffe
  • wie hoch ist der Kohleanteil
  • und wie hoch ist der Gasanteil

Damit hört es aber noch nicht auf. Verbraucherschützer und Politik wollen den unregulierten Markt endlich freier gestalten und Monopole bekämpfen – es bleibt also spannend!

In einem späteren Beitrag gehen wir noch mal genauer auf die Heizkostenabrechnung ein.

Das war ein kleiner Überblick zum Thema Fernwärme.

Habt ihr Fragen hierzu oder sogar ein neues Wunschthema? Dann schreibt es einfach in die Kommentare.

Smart City – womit geht es los?

Im April letzten Jahres hatten wir grundlegend auf die Weiterentwicklung der Daseinsvorsorge geschaut – wie kann sich eine Stadt digital weiterentwickeln und zur Smart City werden? Wie kann das ländliche Gebiet zum Smart Country werden?

Der Autor ist Teil der Smart City Initiative im ostthüringischen Gera und setzt sich in der Arbeitsgruppe Energie/Umwelt für die Konzeption einer Energiewelt von Morgen ein. In diesem Beitrag wollen wir nun zeigen, womit eine Smart City los geht.

Die umfassende Transformation einer ganzen Stadt oder Region muss auf vielen Ebenen ablaufen. Da die Anwendungszwecke der digitalisierten Stadt praktisch überall zu spüren sind, muss auch fast jeder mit an den Tisch und an der Entwicklung arbeiten. Die Stadtwerke und Stadtverwaltung genießen ein hohes Vertrauen und sind mit den nötigen Einblicken und Kenntnissen versehen. Jedoch dürfen die Entwicklungen nicht an den tatsächlichen Interessen der Bürger vorbei gehen – also gehören offene Versammlungen, Workshops und Abstimmungen dringend zu den ersten organisatorischen Mitteln.

Bei der Initiative Smart City Gera starteten wir mit einer offenen Ideenkonferenz. Hier haben unter anderem Bürger, Politiker und Unternehmer mit der lokalen Hochschule und der Stadtverwaltung über konkrete Ideen für eine Smart City Gera diskutiert. Ein Teil dieser Ideen wurde zusammengeführt und in einen Fördermittelantrag geschrieben. Eine Vielzahl von Bundes- und Landesministerien, die KfW und verschiedene Stiftungen haben Fördertöpfe für Smart Cities geöffnet, sodass je nach Themenansatz verschiedene Empfänger in Frage kommen könnten. In unserem Fall hat das Bundesinnenministerium den Zuschlag erteilt.

Anschließend wurden alle Bürger zu einer offenen Vollversammlung geladen. Nach einer allgemeinen Diskussion der bevorstehenden Fördermöglichkeiten bildeten sich erste Arbeitsgruppen rund um größere Themengebiete:

  • Stadtentwicklung/Verkehr
  • Energie/Umwelt
  • Bürgerbeteiligung
  • Bildung
  • Wirtschaft

Unser spezieller Fördertopf sieht eine Konzeptphase von zwei Jahren und eine anschließende Projektierung von fünf Jahren vor. Daher arbeiten unsere Arbeitsgruppen aktuell an vielen strategischen, aber auch ganz konkreten Ansätzen für den jeweiligen Themenbereich. Die Ideen werden anschließend in einem größeren Strategiekreis zusammengeführt und abgeglichen. Überschneidungen führen zu gemeinsamen Arbeitssitzungen und eventuell gemeinsamen Projektkonzepten. Da die Arbeitsgruppen grundsätzlich öffentlich tagen und sich in einem öffentlichen Forum austauschen, können alle Bürger jederzeit mitmachen. Aber natürlich müssen auch wir uns damit beschäftigen, wie man Themen wirksam publiziert und Interessenten anzieht. 

Glücklicherweise verfügen wir in Gera bereits über ein LoRaWAN, ein ziemlich flächendeckendes Kommunikationsnetz für Geräte – praktisch eine Art WLAN für Sensoren. Daher können wir neben den strategischen Projektkonzepten auch an ganz kurzfristigen Anwendungen arbeiten. Unsere bereits bestehenden Umweltsensoren könnten wir erweitern oder neue Sensorarten verbauen. Aber sowohl bei den langfristigen, als auch bei den kurzfristigen Ideen kommt es auf die konkreten Menschen an: Visionäre, Querdenker, aber vor allem richtige Macher. Ideen müssen natürlich diskutiert werden, aber dürfen nicht endlose Runden drehen. Irgendwann muss einfach losgelegt werden.

Stromnetzausbau: was ist der Szenariorahmen?

Das deutsche Stromnetz ist etwa 1,85 Millionen Kilometer lang. Das entspricht fast der fünffachen Entfernung des Mondes von der Erde. Der mit Abstand größte Anteil des Stromnetz ist die sogenannte Niederspannung – diese Kabel liegen direkt an unseren Häusern, verbinden kleine Erzeugungsanlagen mit normalen Verbrauchern und ziehen sich unterirdisch quer durch unsere Städte.

Der Zustand des Stromnetzes muss ständig neu überwacht und eingeschätzt werden. Welche Leitungen müssen gewartet werden, wo bieten sich Erweiterungen an und welcher Neubau ist tatsächlich notwendig?

Für den Netzausbau wird in Deutschland ein aufwändiger Prozess mit fünf großen Schritten angewendet:

  1. Ermittlung des Szenariorahmens
  2. Erarbeitung der Netzentwicklungspläne
  3. Rechtlicher Beschluss im Bundesbedarfsplan
  4. Eingrenzung in der Bundesfachplanung/Raumordnung
  5. Finalisierung in der Planfeststellung

Dieser Ablauf wird durch die vier großen Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW und die Bundesnetzagentur organisiert. An vielen Stellen wird die Beteiligung der Öffentlichkeit ermöglicht – so auch beim Szenariorahmen. Zur Veröffentlichung dieses Beitrags läuft gerade die Konsultation eben dieses Szenariorahmens für den Zeitraum bis 2035. Was steckt dahinter?

Der Szenariorahmen beschreibt die Entwicklung des gesamten Energiesystems

Um die Erweiterung oder den Ausbau des Stromnetzes gut einschätzen zu können, muss man die bevorstehenden Entwicklungen im gesamten Energiesystem voraussagen. Dafür erarbeiten die Übertragungsnetzbetreiber gemeinsam mit Branchenverbänden, Wissenschaftlern und weiteren Experten die Entwürfe des Szenariorahmens. Dieser muss in jedem geraden Jahr für die jeweils nächsten 10-15 Jahre veröffentlicht werden und die bevorstehenden Entwicklungen beinhalten.

Die Entwicklungen werden in drei parallelen Szenarien zusammengefasst: eine eher konservative Entwicklung des Energiesystems, eine moderate Weiterentwicklung und eine sehr starke Transformation mit voranschreitender Energiewende. Diese Szenarien beinhalten den eigentlichen Strombedarf, die Sektorenkopplung (strombetriebene Wärmeversorgung & Elektromobilität), der Stromfluss im bestehenden Netz, Speicher, Großverbraucher, CO2-Emissionsziele, energiepolitische Vorgaben, neue Anwendungsbereiche sowie viele weitere Faktoren. Ein viertes Langfristszenario beschreibt noch weitere erwartete Entwicklungen der nächsten 20 Jahre. So soll ein möglichst genaues Bild der bevorstehenden Änderungen der Energiewelt gezeichnet werden.

Der Szenariorahmen 2021 bis 2035

Der aktuelle Entwurf konzentriert sich nun auf die voraussichtlichen Entwicklungen der Jahre 2021 bis 2035. Die Szenarien unterscheiden sich nach Netzorientierung (Rücksicht des Gesamtsystems auf die Belange des Stromnetzes) und voranschreitender Sektorkopplung. Ein Beispiel zur Unterscheidung der drei Szenarien kann man bei der Elektromobilität ablesen: im Szenario A wird eher an öffentlichen Schnellladesäulen aufgetankt, während im Szenario C eher „smart“ am Arbeitsplatz bzw. zu Hause aufgeladen wird.

Ein weiteres Beispiel ist der Kraftwerkspark: im Szenario A gibt es 2035 noch eine kleine Anzahl von Stein- und Braunkohlekraftwerken, während es im Szenario B und C schon gar keine derartigen Kraftwerke mehr – aber dafür mehr Gaskraftwerke – gibt.

Vom Januar bis 14. Februar 2020 läuft die öffentliche Konsultationsphase des aktuellen Szenariorahmens. So kann sich jeder mit einer Stellungnahme zum veröffentlichten Szenariorahmen äußern und seine eigenen Anmerkungen, Kritiken und Ideen einbringen. Die Bundesnetzagentur prüft diese Einsendungen (die werden wirklich gelesen!) und arbeitet sie womöglich in die Endfassung des Szenariorahmens ein. Dieser ist dann die Grundlage für den nachfolgenden Netzentwicklungsplan.

Den Szenariorahmen 2021-2035 findet man auf netzausbau.de