Was ändert die MaKo2020 für Übertragungsnetzbetreiber?

Die MaKo2020 – Marktkommunikation 2020 – ist die umfassendste regulatorische Änderung der deutschen Energiewirtschaft seit dem Unbundling. Über diese Änderungen wurde schon oft gesprochen, aber selten die wirklichen Konsequenzen für den Alltag hervorgehoben. 

Aber genau diese Aufgaben hat sich Energiewirtschaft Einfach gesetzt: 
Wir brechen das Kleingedruckte der MaKo2020 auf ganz praktische Auswirkungen im Alltag der Mitarbeiter herunter.

Im ersten Beitrag zur praktischen Auswirkung der MaKo2020 haben wir uns die konkrete Umstellung am 1. Dezember 2019 angeschaut. Im zweiten Beitrag ging es um Änderungen in der Stammdatenstruktur und die Netznutzungsabrechnung. Danach ging es um die beiden neuen EDI@Energy-Datenformate COMDIS und UTILTS. Letzte Woche betrachten wir die neue Version des Prozessdokuments MPES. Und heute geht es um die Änderungen für Übertragungsnetzbetreiber.

ÜNB bekommen neuen Aufgaben

Das Inkrafttreten des Messstellenbetriebsgesetzes Ende 2016, der bevorstehende Smart Meter Rollout, Interimsmodell und Zielmodell sowie die dazwischen liegende MaKo2020 bilden die größte regulatorische Änderung der Energiewirtschaft seit Jahren. Im Zuge dieser Änderungen nehmen die Übertragungsnetzbetreiber eine neue Rolle ein. Während sie in den typischen energiewirtschaftlichen Alltagsprozessen bisher nur als Bilanzkoordinator aufgetreten sind und im Hintergrund die Regel- und Ausgleichsenergie verwalteten, werden die ÜNB Ende 2019 mit neuen Aufgaben und Verantwortungen rund um Stammdaten, Energiemengen und die Bilanzierung von intelligenten Messsystemen ausgestattet.

  • Aggregationsverantwortung für Energiemengen aller verbrauchenden und einspeisenden Marktlokationen mit intelligenten Messsystemen (iMS)
    • Übertragung aller iMS-Energiemengen vom MSB an den ÜNB – eine Auflistung kann der MaKo2020-WiM unter BK6-18-032 Anlage 2 im Kapitel III.2.6.9 (pdf) gefunden werden
    • die Prozesse Messwertanforderung und Reklamation Messwert können vom ÜNB an den MSB ausgelöst werden, ein Messwertstorno kann vom MSB an den ÜNB gesendet werden
    • nach erfolgtem Smart Meter Rollout werden dem ÜNB Werte aus dem iMS z. B. bzgl. EEG-Marktlokationen direkt übersendet, siehe MaKo2020-WiM im Kapitel III.2.10
  • Aggregation der Marktlokationswerte zu Bilanzkreissummenzeitreihen als Ausgangspunkt für die Bilanzkreisabrechnung
    • die Austauschprozesse mit dem ÜNB sind in der MaKo2020-MaBiS unter BK6-18-032 Anlage 4 (pdf) beschrieben
  • Einbeziehung der ÜNB in die Stammdatensynchronisation bei iMS-Marktlokationen
    • jegliche Stammdatenänderungen betroffener Marktlokationen werden dem Übertragungsnetzbetreiber gesendet
    • übermittelt der Verteilnetzbetreiber eine Stammdatenänderung an den Lieferanten, der diese wiederum an den ÜNB spiegelt und dieser sendet seinen neuen Stammdatenstand an den initialen Verteilnetzbetreiber der sich nun bestätigt fühlt – jetzt sind alle beteiligten Marktteilnehmer auf dem gleichen Kenntnisstand
    • in den GPKE werden die Stammdatenänderungs- und Geschäftsdatenanfrage-Prozesse mit dem ÜNB unter III Übergreifende Prozesse beschrieben, zu finden unter BK6-18-032 Anlage 1 (pdf)
  • Standardisierung von Regelungen zum sicheren Austausch im Fahrplanprozess zwischen ÜNB und BKV
    • das Dokument BK6-18-032 Anlage 6 (pdf) regelt den elektronischen Datenaustausch von Anlagenfahrplänen per E-Mail
  • ab dem 1. Februar 2020 kann die Umstellung der Datenaggregation von Marktlokationen auf den ÜNB mit Wirkung zum 1. April 2020 vorgenommen werden
    • das BDEW-Feinkonzept zur Einführung der MaKo2020 (pdf) beschreibt die Umstellung unter Kapitel 4

vorgezogene Sofort-Maßnahme zum 1. Oktober 2019

Wie an anderer Stelle schon berichtet wurde, war die deutsche Energiewirtschaft im Juni mit starken Preisschwankungen im Stromgroßhandel konfrontiert. Diese Schwankungen ergaben sich vermutlich aus manipulativem Verhalten von Marktteilnehmern. Um die Korrektheit von Prognosen und die nachträgliche Korrektur im Regel- bzw. Ausgleichsenergiemarkt zu verbessern, hat die Bundesnetzagentur bereits zum 1. Oktober 2019 eine Anpassung in der Meldepflicht für verschiedene Marktrollen beschlossen.

Die BNetzA-Beschlusskammer 6 fordert unter Aktenzeichen BK6-19-218 von den Übertragungsnetzbetreibern ein hartes Durchgreifen bei Pflichtverletzungen der Marktteilnehmer bis hin zur Kündigung von Bilanzkreisverträgen. Um dieses Durchgreifen überhaupt erst zu ermöglichen sollen also schon zum 1. Oktober 2019 diverse Datensätze regelmäßig an die Übertragungsnetzbetreiber gesendet werden:

  • werktägliche Übermittlung aller Messwerte von RLM-Marktlokationen an die ÜNB
    • alle Verbrauchs- und Erzeugungs-RLM-Messwerte müssen am Folgetag des ÜNB gesendet werden
    • die ÜNB sollen damit die Kraftwerks-/ Anlagen-Fahrpläne der Bilanzkreisverantwortlichen abgleichen können
    • bisher haben die ÜNB derartige Messwerte erst nach Wochen über entsprechende Zeitreihen erhalten – zu spät für wirksame Prüfungen
  • Stammdaten von RLM-Marktlokationen werden zum 1. und 15. Kalendertag per Lieferantenclearingliste vom Verteilnetzbetreiber an den ÜNB gesendet
    • gilt während des auslaufenden Interimsmodells bis 1. Dezember 2019
  • RLM-Messwerte werden vom VNB parallel zur bestehenden werktäglichen Übermittlung an den Lieferanten auch an den ÜNB gesendet
    • gilt während des auslaufenden Interimsmodells bis 1. Dezember 2019
  • Lieferanten führen die Stammdatensynchronisation mit dem ÜNB für alle RLM-Marktlokationen durch
    • nicht nur für die per MaKo2020 in der ÜNB-Datenaggregationsverantwortung befindlichen RLM-MaLo
  • mit der MaKo2020 nehmen Messstellenbetreiber den ÜNB werktäglich als weiteren Empfänger in alle Messwertübertragungen auf

Bezüglich dieser „Sofort-Maßnahme“ (Link zur BNetzA) zur Sicherstellung des Ausgleichs von Bilanzkreisen konnten alle Marktakteure bis zum 9. August 2019 bei der Bundesnetzagentur Stellungnahmen abgeben. Der Branchenverband BDEW hat recht deutlich darauf hingewiesen, dass eine Umsetzung bis Oktober nicht realisierbar sei (pdf).

Der erste Beitrag handelt hier von der konkreten Umstellung zum Dezember 2019. Der zweite Beitrag zu Stammdaten und dem Lieferschein ist hier veröffentlicht. Der dritte Beitrag über die neuen Datenformate ist hier zu finden. Der vierte Beitrag über die MPES ist hier verlinkt.

In den nächsten Beiträgen zur MaKo2020 gehen wir auf weitere konkrete Änderungen in den Prozessdokumenten ein.

Bis dahin lässt sich einiges aus dem BDEW-Grobkonzept und -Feinkonzept zur Einführung der MaKo2020 entnehmen. Da diese Dokumente, die GPKE und co. aber nur schwer zu durchschauen sind, bietet sich das beste Seminar rund um MaKo2020 an:

Energiepolitik Einfach: Redispatch, Ladesäulen, Energiearmut und Versorgungssicherheit

In der Artikelreihe Energiepolitik Einfach werden politische Statements, Anfragen und Antworten aus dem Bundestag und Landtagen vorgestellt und eingeordnet. Energiewirtschaft Einfach bemüht sich dabei nicht immer um Neutralität.

Heute geht es um vier Antworten der Bundesregierung auf Anfragen im Bundestag: zum Redispatch, zu Ladesäulen, Energiearmut und der Versorgungssicherheit.

Vom 08.02.2019 stammt die Drucksache 19/7655 des Bundestages: in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen berichtet die Bundesregierung über die „Neuordnung des Redispatch nach §13 EnWG“.

In dieser Anfrage geht es um Auswirkungen des Redispatch (Nachregelung der Leistung von Kraftwerken) auf den Betrieb von erneuerbaren und fossilen Energieanlagen. Ein jahrelanges Streitthema ist die Abregelung von Wind- und PV-Anlagen, weil „zu viel“ Strom durch konventionelle Kraftwerke erzeugt wird. Ein weiterer Auswuchs ist das Vorhalten fossiler Erzeugungskapazitäten (das Nichtabschalten von Kraftwerken) um zum Beispiel die immer wieder anfallende Regelenergie liefern zu können. Flexible erneuerbare Anlagen könnten die meist auch liefern, aus allgemeiner Verunsicherung werden aber lieber die langsam hoch- und runterfahrbaren Kraftwerke laufen gelassen, was dann eben zur Abschaltung von Windkraftanlagen und co. führt. Durch eine Anpassung der Redispatch-Regeln zum Oktober 2020 sollen weniger fossile und mehr erneuerbare Anlagen laufen können. Ohne genauer auf dieses Vorhaben einzugehen, schwenkt die Bundesregierung jedoch schnell auf den allgemeinen Stromnetzausbau als zielführendste Maßnahme zur Beseitigung eventueller Stromengpässe.

Die Drucksache 19/9187 vom 08.04.2019 behandelt die „Probleme bei der technischen Umrüstung von Ladesäulen im Zusammenhang mit dem Mess- und Eichrecht“ als Antwort auf eine Anfrage der Grünen im deutschen Bundestag.

Diese Frage dreht sich um eichrechtliche Probleme bei Ladesäulen für Elektromobilität. Da Ladesäulen typischerweise nicht mit normalen geeichten Stromzählern versehen sind, ist eine Abrechnung nach Ladungsmenge rechtlich fragwürdig. Genau deswegen wird oft pauschal oder nach Ladezeit abgerechnet. Jedenfalls weißt die Bundesregierung darauf hin, dass nach Branchengesprächen zum Jahresbeginn 2019 eine befristete Duldung von nicht eichrechtskonformen Ladesäulen beschlossen wurde. Diese Anlagen müssten demnach unverzüglich nachgerüstet werden. Hier wird darauf hingewiesen, dass von normalen öffentlichen Ladesäulen gut zwei Drittel umrüstbar sind, von sogenannten Wallboxen aber nur gut ein Drittel für eine Umrüstung auf eine eichrechtlich konforme Anlage geeignet sind. Ladesäulenbetreiber mussten seit April 2019 eine Verbrauchsabrechnung ermöglichen, während eine pauschale Abrechnung verboten wurde.

Vom 21.06.2019 stammt die Drucksache 19/11044 als Antwort der Bundesregierung auf eine Grünen-Anfrage zur „Beeinträchtigung der fossil-atomaren Energieversorgung durch Hitze, Trockenheit und Unwetter.

In dieser Anfrage wird gefragt, inwiefern konventionelle Kraftwerke bei Hitzewellen normal laufen können oder eben eingeschränkt werden. Als Hintergrund kann man zum Beispiel die notwendige Kühlung der Kraftwerksprozesse durch Flusswasser verstehen – wenn das Flusswasser aufgrund einer Hitzewelle zu warm oder zu gering vorhanden ist, kann z. B. ein Kohle- oder Kernkraftwerk nicht regulär laufen. Die Bundesregierung betont, dass es im Sommer 2018 trotz Knappheit am Rhein und an der Neckar keine Einschränkung der Versorgungssicherheit gab, da jederzeit genügend Kapazität als Ersatz für dort gelegene Großkraftwerke vorhanden war. Die Großhandelspreise für Strom sollen sich dabei auch nicht besonders oder nur kurz nach oben bewegt haben. Ein weiteres Thema ist der Transport von Brennstoffen per Schiff während es zu niedrigen Wasserpegeln kommt. Hier betont die Bundesregierung, dass es in den letzten Jahren zwar zu Einschränkungen gekommen ist, jedoch nie zu einer Gefahr für die Versorgungssicherheit. Die Bundesnetzagentur hat überdies alle Übertragungsnetzbetreiber aufgefordert, ein „Konzept für eine präventive Kohlebevorratung“ zu entwickeln.

Was ändert die MaKo2020 an der MPES?

Die MaKo2020 – Marktkommunikation 2020 – ist die umfassendste regulatorische Änderung der deutschen Energiewirtschaft seit dem Unbundling. Über diese Änderungen wurde schon oft gesprochen, aber selten die wirklichen Konsequenzen für den Alltag hervorgehoben. 

Aber genau diese Aufgaben hat sich Energiewirtschaft Einfach gesetzt: 
Wir brechen das Kleingedruckte der MaKo2020 auf ganz praktische Auswirkungen im Alltag der Mitarbeiter herunter.

Im ersten Beitrag zur praktischen Auswirkung der MaKo2020 haben wir uns die konkrete Umstellung am 1. Dezember 2019 angeschaut. Im zweiten Beitrag ging es um Änderungen in der Stammdatenstruktur und die Netznutzungsabrechnung. Letzte Woche ging es um die beiden neuen EDI@Energy-Datenformate COMDIS und UTILTS. Und heute betrachten wir die neue Version des Prozessdokuments MPES.

Was ist die MPES?

Die Marktprozesse für erzeugende Marktlokationen (Strom) sind das Äquivalent zur GPKE – aber eben für Strom-Einspeiser. In diesem Dokument sind die relevanten Alltagsprozesse der Energiewirtschaft für Einspeisestellen geregelt, beschrieben und visualisiert.

Die fortschreitende Energiewende hat eine Vielzahl von dezentralen Energieanlagen hervorgebracht. Darunter fallen auch mehr und mehr privat betriebene Photovoltaik-Anlagen auf Dächern, Mini-Blockheizkraftwerke in Kellern und Biogasanlagen von Landwirten. Um die steigende Komplexität vieler dezentraler Anlagen für das energiewirtschaftliche System zu ordnen, hat die Bundesnetzagentur am 29.10.2012 die Einführung der MPES zum Oktober 2013 beschlossen.

In diesem Dokument wurden Wechsel- und Abrechnungsprozesse sowie Datenübertragungen für Einspeiser geregelt und für alle Energieunternehmen verbindlich etabliert. Die MPES wurde Ende 2015 aufgrund einiger Anpassungen des EEG angepasst und nach der Einführung des Messstellenbetriebsgesetzes und des Interimsmodells zum Oktober 2017 nochmal aktualisiert. Die zum jetzigen Zeitpunkt gültige Version der MPES ist unter BK6-16-200 Anlage 3 zu finden.

Die MaKo2020 erfordert Anpassungen der MPES

Die MaKo2020 ist die größte regulatorische Anpassung der Energiewirtschaft seit vielen Jahren und wird zum 1. Dezember 2019 praktisch alle Prozessdokumente in der Stromsparte anpassen. Die ab Ende dieses Jahres gültige Version der MPES ist schon jetzt unter BK6-18-032 Anlage 3 bei der Bundesnetzagentur zu finden.

Jedenfalls ändert sich durch die MaKo2020 der Aufbau der MPES deutlich. In der Vergangenheit wurden folgende Prozesse aufgeführt:

  • Kündigung
  • Lieferbeginn
  • Lieferende
  • Stornierung und Rückabwicklung
  • Stammdatenänderung
  • Zuordnungslisten
  • Messwert-/ Energiemengenübermittlung
  • Geschäftsdatenanfrage
  • Netznutzungsabrechnung

Die neue Struktur unter der MaKo2020 sieht hingegen so aus:

  • Kündigung
  • Lieferbeginn
  • Lieferende
  • Überprüfung einer EEG-Marktlokation mit DV-Pflicht auf 100% LF-Zuordnung
  • Übergreifende Prozesse

So scheint sich die MPES deutlich verkürzt zu haben. Tatsächlich wird mit Einführung der MaKo2020 aber bloß eine Konsolidierung diverser übergreifender Prozesse vorgenommen, die in der GPKE ausführlich beschrieben werden und in den weiteren Prozessdokumenten wie der MPES nur verlinkt werden. Die vorige Prozessvielfalt findet sich jetzt also einfach in der GPKE wieder, nur dass beim Lesen einige Begriffe ausgetauscht werden müssen:

  • Belieferung durch Erzeugung
  • Energie verbrauchen durch Energie erzeugen
  • Letztverbraucher durch Erzeuger

Da die Inhalte der GPKE in späteren Artikeln ausführlich beschrieben werden, beschränken wir uns an dieser Stelle auf den Hinweis, dass die Zuordnungslisten in der MaKo2020 abgeschafft werden, die Stammdatenstruktur der UTILMD geändert wird und ansonsten einige Fristen und Schnittstellen angepasst werden.

Kündigung

In der Vergangenheit hat der Prozess Kündigung in der MPES komplett auf die GPKE verwiesen: „Es gelten die Bestimmungen gemäß GPKE in der jeweils aktuellen Fassung entsprechend“. In der MaKo2020-Version wird der Prozess sowohl mit einem Sequenzdiagramm als auch tabellarischen Erklärungen vorgestellt. Dabei wird auch auf die Antwort des alten Lieferanten bei einer bereits vor der EDIFACT-Meldung erfolgten Vertragskündigung in verschiedenen Szenarien eingegangen. Bei den beschriebenen Vorgehensweisen finden sich keine Überraschungen.

Lieferbeginn

In der bisherigen MPES wurde hier sowohl auf vollständige als auch zeitlich anteilige Wechselvorgänge von Einspeiseanlagen eingegangen, die Fristen und der eigentliche Prozessablauf erklärt. In der MaKo2020-Version findet sich hier ebenso die Unterscheidung der drei Wechselszenarien, inklusive visueller und tabellarischer Darstellung der Vorgänge – auch bei Konfliktszenarien konkurrierender Anmeldungen. Für weitere Informationen betrachtet man am besten direkt Kapitel 4.2 in der BK6-18-032-MPES (pdf).

Lieferende

Vergleichbar mit dem Prozess Lieferbeginn gibt es hier eine Unterscheidung der verschiedenen Szenarien: Abmeldung einer Marktlokation bzw. Abmeldung einer Tranche sowie Hinweise zum untermonatigen Wechsel oder Wechsel ohne Fristeinhaltung. Alle weiteren Infos lassen sich in der neuen MPES unter 4.3 und 4.4 entnehmen (pdf).

Überprüfung einer EEG-Marktlokation mit DV-Pflicht auf 100% LF-Zuordnung

Dieser Prozess wird mit der MaKo2020 erstmals standardisiert eingeführt. Schlussendlich geht es dabei darum, dass ein Einspeiser mit Direktvermarktungspflicht immer für einen vollen Kalendermonat genau einem abnehmenden Lieferanten zugeordnet ist – das Verbot einer anteiligen Zuordnung wird vom EEG so vorgeschrieben. In diesem Themenkomplex tätige Kollegen stellen sicher fest, dass dieses Vorgehen schon seit einigen Jahren durch das EEG gefordert wird – allerdings muss das alles bisher bilateral per Mail und Telefon geklärt werden. Die MaKo2020MPES führt jetzt erstmals einen standardisierten Prozess ein. Dieser ist inklusive Darstellung und erklärender Tabelle dem Kapitel 4.5 zu entnehmen (pdf).

In den nächsten Beiträgen zur MaKo2020 gehen wir auf weitere konkrete Änderungen in den Prozessdokumenten ein.

Der erste Beitrag handelt hier von der konkreten Umstellung zum Dezember 2019. Der zweite Beitrag zu Stammdaten und dem Lieferschein ist hier veröffentlicht. Der dritte Beitrag über die neuen Datenformate ist hier zu finden.

Bis dahin lässt sich einiges aus dem BDEW-Grobkonzept und -Feinkonzept zur Einführung der MaKo2020 entnehmen. Da diese Dokumente, die GPKE und co. aber nur schwer zu durchschauen sind, bietet sich das beste Seminar rund um MaKo2020 an:

Energiekonzerne in Europa

In der deutschen Energiewirtschaft kennen wir „die vier Großen“ – vier Energiekonzerne, die den Strommarkt dominieren und zumindest in der Vergangenheit eine klare Monopolstellung eingenommen haben: E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW. Zusammen mit hunderten Stadtwerken und heutzutage noch hunderten unabhängigen Stromanbietern bilden sie eine interessante Versorgervielfalt.

Sieht das in unseren Nachbarländern eigentlich ähnlich aus? Energiewirtschaft Einfach schaut sich in einer unregelmäßigen Artikelserie die Energiewirtschaft anderer Länder an und vergleicht diese mit Deutschland. Heute beginnen wir mit einem Gesamtüberblick und zählen die größten Versorger einiger unserer Nachbarländer auf.

Deutschland

In Deutschland kennen wir vier große Energiekonzerne. E.ON und RWE haben sich jedoch in den letzten Jahren ein bisschen umstrukturiert, nachdem sie mal die größten Energiekonzerne Europas waren. RWE hat mit innogy eine junge Tochtermarke etabliert, die für die Zukunft, die Energiewende und smarte Produkte stehen sollte. Mittlerweile befindet sich innogy im Übernahmeprozess durch E.ON und wird als Marke vermutlich komplett verschwinden.

E.ON selbst hat den alten Kraftwerksbestand in die neue Tochtermarke Uniper gesteckt, die mittlerweile vom finnischen Energiekonzern Fortum übernommen wurde. Damit hat E.ON einen großen Schritt geschafft, sich selbst als dominierenden Energiekonzern der Energiewende in Deutschland darzustellen, da ein Großteil alter Kraftwerke erfolgreich abgestoßen wurde. Die Kernkraftwerke und einige weitere Kapazitäten wurde in eine weitere Tochtermarke namens PreußenElektra abgegeben und werden damit auch nur noch indirekt mit der Marke E.ON in Verbindung gebracht.

Schlussendlich ergibt sich neben etwa 1.300 kleinen und mittleren Stromversorgern folgende Konzernsituation in Deutschland:

  • Uniper (gehört zur Hälfte Fortum, der Rest ist Streubesitz) mit etwa 12.200 Mitarbeitern und 72 Mrd. Euro Jahresumsatz
  • RWE mit knapp 60.000 Mitarbeitern und 44 Mrd. Euro Jahresumsatz
  • ON mit etwa 43.300 Mitarbeitern und gut 30 Mrd. Euro Jahresumsatz
  • innogy mit knapp 43.000 Mitarbeitern und knapp 37 Mrd. Euro Jahresumsatz
  • EnBW mit 20.300 Mitarbeitern und gut 19 Mrd. Euro Jahresumsatz
  • Vattenfall (nur Deutschland) mit etwa 6.800 Mitarbeitern und gut 6 Mrd. Euro Jahresumsatz

Schweden

Bei Erwähnung von Vattenfall in Deutschland kommt man natürlich nicht an der schwedischen Muttergesellschaft vorbei. Vattenfall ist das staatliche Energieunternehmen in Schweden und mit etwa 20.000 Mitarbeitern und 12,6 Mrd. Euro Jahresumsatz unter anderem Betreiber riesiger Wasserkraftwerke.

Italien

In Italien liegt mit Enel der vermutlich größte Energieversorger Europas ganz vorne: mit gut 69.000 Mitarbeitern und über 75 Mrd. Euro Jahresumsatz teilt sich dieser Konzern den Markt vor allem mit Eni. Dieser Konzern ist in Deutschland vor allem durch die Tochtermarke Agip bekannt, die jede Menge Tankstellen betreibt. Eni hat inklusive des Öl- und Benzingeschäfts gut 31.000 Mitarbeiter und knapp 77 Mrd. Euro Jahresumsatz.

Frankreich

In Frankreich treffen wir auf zwei weitere Riesen: EDF ist der Arbeitgeber von etwa 158.000 Mitarbeitern und bringt einen Jahresumsatz von gut 69 Mrd. Euro zusammen. Dazu gesellt sich mit Engie das frühere GDF Suez und kommt auf etwa 153.000 Mitarbeiter bei gut 66 Mrd. Euro Jahresumsatz.

Spanien

Die Spanier können auch mit zwei riesigen Energiekonzernen aufwarten: Iberdrola ist der größte spanische Energieversorger und erwirtschaftet mit etwa 28.000 Mitarbeitern gut 29 Mrd. Euro Jahresumsatz. Der mit 69.000 Mitarbeitern deutlich größere Wettbewerber Endesa ist indes vor allem in Lateinamerika der dominante Energieversorger und kommt damit auf etwa 21,5 Mrd. Euro Jahresumsatz. Endesa gehört mehrheitlich zur italienischen Enel.

Großbritannien

Bei den Briten findet sich eine ähnliche Situation wie wir sie in Deutschland kennen: es gibt die sogenannten „Big Six“ und damit sechs große Energiekonzerne die den Versorgermarkt dominieren: British Gas, EDF Energy (Tochter von EDF), E.ON UK (Tochter von E.ON), npower (Tochter von innogy), Scottish Power (Tochter von Iberdrola) und SSE. Diese Energiekonzerne werden in einem späteren Artikel genauer betrachtet.

einige Weitere:

  • Norwegen: Statkraft ist mit 4.200 Mitarbeitern und etwa 5,2 Mrd. Euro Jahresumsatz einer der größten Erzeuger von Erneuerbarer Energie in Europa.
  • Finnland: Fortum erwirtschaftet mit 8.200 Mitarbeitern etwa 5,2 Mrd. Euro Jahresumsatz, ist aber auch mit knapp 50% an Uniper in Deutschland beteiligt.
  • Dänemark: Ørsted ist das frühere DONG Energy und kommt mit 5.600 Mitarbeitern auf gut 8,2 Mrd. Euro Jahresumsatz.
  • Niederlande: Essent kommt mit rund 12.000 Mitarbeitern auf etwa 7,3 Mrd. Euro Jahresumsatz.
  • Belgien: Der Energieversorger Electrabel führt mit etwa 4.300 Mitarbeitern und 22,2 Mrd. Euro Jahresumsatz, gehört aber auch mehrheitlich zur französischen Engie.
  • Österreich: Verbund ist mit 3.000 Mitarbeitern und rund 2,8 Mrd. Euro Jahresumsatz der größte Energieversorger im Land.
  • Schweiz: Die Nummer Eins in diesem recht diversen Strommarkt ist Alpiq mit etwa 8.300 Mitarbeitern und 6,7 Mrd. Euro Jahresumsatz.
  • Polen: PGE (Polska Grupa Energetyczna) führt mit etwa 41.200 Mitarbeitern und 5,3 Mrd. Euro Jahresumsatz.
  • Tschechien: ČEZ (České energetické závody) kommt mit 26.200 Mitarbeitern auf etwa 7,8 Mrd. Euro Jahresumsatz.

In den meisten großen europäischen Ländern findet sich ein großer Energiekonzern. In einigen Ländern entstanden sogar mehrere Konzerne, die sich den Markt regional oder nach Sparte teilen. Nur Großbritannien übertrifft mit sechs großen Konzernen die frühere Zerfaserung im deutschen Markt.

Die Marktliberalisierung, wie sie in Deutschland über das Unbundling umgesetzt wurde, ist als EU-Vorgabe grundsätzlich in allen Mitgliedsstaaten umzusetzen. Daher ist in diesen Ländern das Stromnetz typischerweise genauso wie in Deutschland von den Versorgern getrennt.

In weiteren Artikeln untersuchen wir unter anderem die Stromnetzstruktur der hier genannten Länder und besuchen natürlich auch weitere unserer Nachbarn und betrachten den Energiemarkt etwas genauer.

Energiewirtschaft Einfach bemüht sich um aktuelle und korrekte Daten, dennoch sind alle Angaben ohne Gewähr.

Energiepolitik Einfach: Stromsperren, Kohleausstieg, Betriebsmittel und Rohstoffe

In der Artikelreihe Energiepolitik Einfach werden politische Statements, Anfragen und Antworten aus dem Bundestag und Landtagen vorgestellt und eingeordnet. Energiewirtschaft Einfach bemüht sich dabei nicht immer um Neutralität.

Heute geht es um vier Antworten der Bundesregierung auf Anfragen im Bundestag: zu Stromsperren, dem Kohleausstieg, netztechnischen Betriebsmitteln und seltene Rohstoffen.

Vom 20.02.2019 stammt die Drucksache 19/7966 des Bundestages: in der Antwort auf eine Anfrage der Linken berichtet die Bundesregierung über „Stromsperren und Maßnahmen zu deren Vermeidung“.

In dieser Anfrage werden unter anderem die Zusammenhänge zwischen einem allgemeinen Armutsrisiko und der Anzahl von Stromsperren erfragt. Dabei stellt sich heraus, dass es im Jahr 2017 deutschlandweit über 340.000 Stromsperren gab. Die Bundesregierung betont, dass Sperren nur unter Einbeziehung einer Verhältnismäßigkeitsprüfung stattfinden und auch Hartz4 eine „auskömmliche Versorgung mit Energie sicherstellt“.

Anmerkung: Der Autor zweifelt diese Aussage stark an.

Die Drucksache 19/8918 vom 29.03.2019 behandelt die „Wirkung des Kohleausstiegs auf den CO2-Ausstoß“ als Antwort auf eine Anfrage der AFD im deutschen Bundestag.

In der Antwort weißt die Bundesregierung darauf hin, dass der EU-Emissionshandel zwar ein wirksames Mittel zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes ist, aber für die Erreichung der Klimaziele nicht ausreicht. Es wird betont, dass der deutsche Kohleausstieg für eine weitgehende Treibhausgasneutralität notwendig ist und innovative Techniken und Technologien erfordert und damit auch fördert.

Am 21.06.2019 wurde die Bundestagsdrucksache 19/11051 veröffentlicht, die sich in der Antwort auf eine FDP-Anfrage auf die „Kosten und Betrieb von besonderen netztechnischen Betriebsmitteln“ bezieht. 

Die Bundesregierung beginnt mit der Definition des Begriffs „besonderer netztechnischer Betriebsmittel“ im Kontext der Netzstabilität: der Begriff ist technologieneutral zur Erhöhung der Redispatchfähigkeit entlang des ermittelten Bedarfs der Übertragungsnetzbetreiber zu verstehen. In dem Kontext wird betont, dass das neu zu bauende Gaskraftwerk Irsching 6 als explizites besonders netztechnisches Betriebsmittel technisch anders geführt wird als klassische Kraftwerke. Dieses soll deutlich schneller hochfahren können um den Netzzustand nach einem Fehler kurzfristig wieder stabilisieren zu können. Dabei wird auch der Unterschied zu den Kraftwerksblöcken Irsching 4 und 5 betont: diese dienen als sogenannte Netzreserve zur präventiven Einhaltung der Systemsicherheit.

Vom 30.07.2019 stammt die Drucksache 19/12037 als Antwort der Bundesregierung auf eine FDP-Anfrage zur „Eingeschränkten Verfügbarkeit seltener Erden durch den Handelskonflikt USA-China.

In der Anfrage geht es um die Versorgung mit seltenen Erden in Deutschland, wenn China entsprechende Exporte einschränken oder ganz einstellen würde. Konkrete Zahlen sind der Regierung nicht bekannt, allerdings können verschiedene Rohstoffe wohl problemlos aus Russland und Malaysia bezogen werden. Für sogenannte schwere seltene Erden stehen aber keine Alternativen zu China zur Verfügung. Deutschland unterstützt die Bemühung der Europäischen Kommission „sich stärker für die Nutzung europäischer Rohstoffpotenziale zu engagieren“.

Der Strom kommt zum Mieter

Mieterstrom ist seit einigen Jahren ein absolutes Trendthema der Energiewirtschaft. Mit dem Mieterstrom soll die Energiewende nach Hause kommen und ein alternatives Versorgungsprinzip für Mehrfamilienhäuser geboten werden. Dabei handelt es sich schlussendlich um eine sogenannte Quartierslösung, die nochmal umso mehr ein Trendthema der Energiewirtschaft ist.

Beim Mieterstrom wird die Elektrizität in unmittelbarer räumlicher Nähe zur Mietwohnung produziert und nicht über das übliche Stromnetz bezogen. Dadurch sollen verschiedene Kosten, vor allem die staatlich verordneten Umlagen und Entgelte, entfallen.

Was ist Mieterstrom?

Bei Mieterstrom handelt es sich um ein Vermarktungsmodell für dezentrale erneuerbare Energie, die nicht über den klassischen Weg in das Stromnetz eingespeist wird, sondern direkt in der Nähe verbraucht wird. Prinzipiell kann die erneuerbare Energie aus allen geeigneten Erzeugungsanlagen kommen: Photovoltaik, Windkraft, Blockheizkraftwerke / KWK-Anlagen. Allerdings erfolgt die Förderung durch den sogenannten Mieterstromzuschlag ausschließlich für Photovoltaikanlagen bis zu einer bestimmten Größe.

Dabei ist Mieterstrom von der klassischen Eigenversorgung zu unterscheiden: Betreiber von PV-Anlagen haben sich typischerweise dafür entschieden ihren Strom komplett selbst zu verbrauchen – sodass keine Rechnung vom Stromversorger anfällt – oder die Erzeugung in das Stromnetz einzuspeisen und dafür eine Vergütung zu bekommen. Im Rahmen des Mieterstroms übernimmt man als Betreiber einer PV-Anlage auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses die Versorgung der Mieter. Man ist also praktisch Vermieter und gleichzeitig Stromlieferant.

Dafür wird ein Mieterstromvertrag zwischen den Mietern und dem Anlagenbetreiber geschlossen. Dieser garantiert eine Vollversorgung mit Strom – sollte die Erzeugung vor Ort mal nicht reichen, muss der Betreiber den Rest über einen Zusatzstromvertrag vom örtlichen Stromnetz besorgen. Die Mieter können sich dann entspannt zurücklehnen und eine günstige Stromversorgung vom eigenen Dach genießen. Der Vermieter wird für die Lieferung – üblicherweise über die Mietnebenkosten – vergütet und erhält vom Netzbetreiber den Mieterstromzuschlag ausgezahlt. Der Bezug des Mieterstroms darf übrigens nicht an den Mietvertrag gekoppelt werden, sodass die Mieter selbst entscheiden können, ob sie das Angebot wahrnehmen wollen.

Kosten sollen eingespart werden

Mit einer effizienten PV-Anlage lässt sich also ein günstiges Stromversorgungsangebot für die eigenen Mieter schaffen, was natürlich auch die Attraktivität der Immobilie erhöht. Sollte die Erzeugungsanlage sogar mehr Strom erzeugen als die Mieter verbrauchen, so kann man die überschüssige Energie über die klassische Einspeisevergütung an das Stromnetz geben und auch so noch weitere Einnahmen erzielen. Der vielleicht interessanteste Punkt am Mieterstrom ist jedoch, dass ein paar Abgaben und Umlagen wegfallen.

Da der Mieterstrom nie durch das eigentliche Stromnetz fließt, sondern schon in unmittelbarer Nähe der Erzeugung verbraucht wird, fallen typische Netzentgelte weg: die sogenannten Netznutzungsentgelte (für den Betrieb der Stromnetze), die Konzessionsabgabe (für den Bau der Stromnetze auf kommunalem Eigentum) und je nach Konstellation der Anlage ergeben sich steuerliche Vorteile.   

Um die Komplexität dieses Vermarktungsmodells im Alltag ordentlich abzubilden wird sich ein Vermieter im Regelfall auf einen Dienstleister verlassen. Die tatsächlich erzeugte Menge Strom wird nur selten exakt mit dem Verbrauch der Mieter übereinstimmen, sodass der Überschuss (Einspeisevergütung) bzw. der fehlende Rest (Zusatzstrom vom Netz) genau abgegrenzt werden muss. Für die Messung und Abrechnung bietet sich das örtliche Stadtwerk oder ein professioneller Energie-Contractor an. Prinzipiell kann sich der Hauseigentümer auch komplett zurücklehnen und die Dachfläche einfach nur verpachten. Dann übernimmt das Stadtwerk bzw. der Contractor die gesamte Abwicklung des Mieterstrommodells: die Anwohner bekommen ihren günstigen Strom vom eigenen Hausdach und der Vermieter wird über eine Pacht vergütet.

Es gibt noch viel zu tun

Mieterstrom kann ein elementarer Bestandteil der fortschreitenden Energiewende sein, wird aber noch immer durch einige regulatorische Rahmenbedingungen eingeschränkt. Beispielsweise erfolgt der Mieterstromzuschlag ausschließlich bei Photovoltaikanlagen. Kleine Windkraftanlagen, aber vor allem Mini-Blockheizkraftwerke und KWK-Anlagen im Keller, werden nicht über dieses Vermarktungsmodell gefördert. Gerade Blockheizkraftwerke und KWK würden sich ja aber ganz besonders gut für übergreifende Quartierslösungen mit Strom und Wärme anbieten. Darüber hinaus ist die Gesamtgröße der Photovoltaikanlagen auf dem Dach auf 100kW gedeckelt, sodass auch größere Quartierslösungen nicht über das Mieterstrommodell abgewickelt werden können.

Die gesamte Fördersystematik rund um Mieterstrom wird seit einigen Jahren diskutiert: sollte die EEG-Umlage in bestimmten Fällen oder grundsätzlich bei Mieterstrom erlassen werden? Macht die Begrenzung auf Photovoltaik Sinn? Ist die Größendeckelung ausreichend? Woran sollte sich die Höhe des  Mieterstromzuschlags orientieren? Bis zu welchem Anteil dürfen Wohnungsbaugenossenschaften Einnahmen aus z. B. Mieterstrom generieren ohne ihre steuerlichen Vorteile zu verlieren?

Mieterstrom kann sich nur dann durchsetzen, wenn er attraktiv und effizient umgesetzt wird. Aktuell finden sich aber noch diverse Hemmnisse, die unbedingt vom Gesetzgeber beseitig werden müssen.

Welche neuen Datenformate bringt die MaKo2020?

Die MaKo2020 – Marktkommunikation 2020 – ist die umfassendste regulatorische Änderung der deutschen Energiewirtschaft seit dem Unbundling. Über diese Änderungen wurde schon oft gesprochen, aber selten die wirklichen Konsequenzen für den Alltag hervorgehoben. 

Aber genau diese Aufgaben hat sich Energiewirtschaft Einfach gesetzt: 
Wir brechen das Kleingedruckte der MaKo2020 auf ganz praktische Auswirkungen im Alltag der Mitarbeiter herunter.

Im ersten Beitrag zur praktischen Auswirkung der MaKo2020 haben wir uns die konkrete Umstellung am 1. Dezember 2019 angeschaut. Im zweiten Beitrag ging es um Änderungen in der Stammdatenstruktur und die Netznutzungsabrechnung. Heute betrachten wir die beiden neuen EDI@Energy-Datenformate COMDIS und UTILTS.

COMDIS – Die Antwort auf Reklamationen.

Im vorigen Beitrag hatten wir uns mit der Netznutzungsabrechnung beschäftigt. Unter anderem wird ein Vorab-Lieferschein eingeführt, der die abzurechnenden Energiemengen überträgt. Dabei handelt es sich um eine herkömmliche MSCONS mit einem bestimmten Qualifier. Dieser Lieferschein kann jedoch genau so wie die eigentliche Netznutzungsabrechnung reklamiert werden.
Und in diesem Fall kommt das neue Datenformat COMDIS zum Zug.

Die Netznutzungsabrechnung findet ja folgendermaßen statt: der Netzbetreiber übermittelt die Zählerstände, übersendet nun anschließend einen Lieferschein mit den abzurechnenden Energiemengen und sendet dann die eigentliche Rechnung an den Lieferanten.

Wenn der Lieferant mit der Netznutzungsabrechnung nicht einverstanden ist, kann er sie nach entsprechender Prüfung ablehnen. Dazu kann eine auf den Fehler verweisende Ablehnung per EDIFACT versendet werden: eine APERAK oder negative REMADV. Daraufhin prüft der Netzbetreiber ob die Reklamation bestand hat oder der Lieferant die Rechnung so wie gestellt bezahlen muss. Sollte die Reklamation zurecht gestellt worden sein, storniert der Netzbetreiber seine ursprüngliche Rechnung und stellt eine Neue aus.

Sollte die Reklamation aber falsch sein, musste der Netzbetreiber bisher äußerst manuell vorgehen: es wurde der Telefonhörer in die Hand genommen oder eine E-Mail geschrieben, mit dem Hinweis auf Korrektheit der Rechnung und Anforderung einer unverzüglichen Freigabe. Diese bilaterale Klärung ist oft aufwendig und bindet sowohl Zeit als auch Personal. Oft genug sind sich Netzbetreiber und Lieferant auch nicht sofort einig, sodass tiefergreifende Recherchen durchgeführt werden und noch mehr Zeit kosten.

An dieser Stelle soll die COMDIS helfen: dieses neue EDI@Energy-Format steht wortwörtlich für eine Handelsunstimmigkeit (Commercial Dispute“) und kann als Antwort auf eine Reklamation versendet werden. Im Fall einer abgelehnten Netznutzungsabrechnung oder eines abgelehnten Lieferscheins kann nun womöglich auf den Telefonhörer und die E-Mail verzichtet werden, weil die COMDIS zum Beispiel folgende Inhalte übertragen kann:

  • Z58 Anmeldung wurde bestätigt
    • als Antwort auf eine Reklamation „Unbekannte Marktlokation“
  • Z59 Abrechnungsbeginn entspricht bestätigtem Vertragsbeginn
    • als Antwort auf eine Reklamation „Abrechnungsbeginn ungleich Vertragsbeginn“ mit Referenzierung auf die Meldungen
  • Z61 Netznutzungs-MSCONS wurde übersendet
    • als Antwort auf eine Reklamation „Netznutzungsenergiemengen fehlen“ mit Referenzierung auf die Meldung

Die COMDIS soll also die Masse der einfachen Reklamationsklärungen übernehmen und die Sachbearbeiter entlasten. Dabei ist zu beachten, dass komplexe Ablehnungsgründe natürlich weiterhin nur durch einen direkten Kontakt zwischen Mitarbeitern des Lieferanten und des Netzbetreibers geklärt werden können. Dennoch lässt sich vielleicht ein Teil des alltäglichen Aufwands durch die Einführung der COMDIS erledigen.

UTILTS – Berechnung für komplexe Messstellen.

Das zweite neu eingeführte Nachrichtenformat ist die UTILTS. Diese Nachricht ist nicht mit der UTILMD (Stammdaten, Wechselprozesse) zu verwechseln! Die UTILTS steht für Utilities Time Series und damit wortwörtlich für Netznutzungszeiten. Im Rahmen der MaKo2020 wird dieses Format allerdings vorerst nur für Berechnungsformeln verwendet.

Berechnungsformeln werden bei komplexen Messstellen benötigt – wenn es zum Beispiel mehrere Unterzählern und einen Summenzähler gibt. Die Berechnungsformeln stellen dar, wie die ermittelten Messwerte der einzelnen Messlokationen (Zähler) zur Bildung der Werte der Marktlokation (Bilanzierung) zu verrechnen sind.

Die anzuwendende Berechnungsformel kann mit verschiedenen Operatoren das Verhältnis der Zähler untereinander darstellen: Addition oder Subtraktion von Verbrauchs- bzw. Erzeugungszählern inklusive Verlustfaktoren der Leitung. Sollte die angewendete Berechnungsformel zu komplex für diese Operatoren sein, kann mithilfe der UTILTS auch folgender Status kommen:  Z34 „Formel muss beim Absender angefragt werden“.

Sollten die Daten der UTILTS nicht stimmen, kann mit diesem Format auch eine Fehlermeldung übertragen werden, die beispielsweise auf eine im betroffenen Zeitraum fehlende Formel hinweist. Darüber hinaus können Fehlermeldungen beispielsweise aufgrund eines unplausiblen Datums, fehlender Messlokationen oder einer unstimmigen Identifikation der Messlokationen gesendet werden.

Mithilfe der UTILTS hat der Netzbetreiber die anzuwendenden Berechnungsformeln initial bis zum 1. Januar 2020 an den Messstellenbetreiber zu übermitteln.

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In den nächsten Beiträgen zur MaKo2020 gehen wir auf konkrete Änderungen in den Prozessdokumenten ein.

Der erste Beitrag handelt hier von der konkreten Umstellung zum Dezember 2019. Der zweite Beitrag zu Stammdaten und dem Lieferschein ist hier veröffentlicht.

Bis dahin lässt sich einiges aus dem BDEW-Grobkonzept und -Feinkonzept zur Einführung der MaKo2020 entnehmen. Da diese Dokumente, die GPKE und co. aber nur schwer zu durchschauen sind, bietet sich das beste Seminar rund um MaKo2020 an:

Energiepolitik Einfach: Regelenergie, Lobbyismus, Gasversorgung und Stromnetzausbau

In der Artikelreihe Energiepolitik Einfach werden politische Statements, Anfragen und Antworten aus dem Bundestag und Landtagen vorgestellt und eingeordnet. Energiewirtschaft Einfach bemüht sich dabei nicht immer um Neutralität.

Heute geht es um vier Antworten der Bundesregierung auf Anfragen im Bundestag: zur Einsatzfähigkeit von Regelenergie, um die Einflussnahme von Lobbyisten, auf die Gasversorgung in Bezug auf Flüssiggas und Änderungen im Stromnetzausbau.

Vom 08.02.2019 stammt die Drucksache 19/7643  des Bundestages: in der Antwort auf eine Anfrage der Grünen berichtet die Bundesregierung über die „Kosten und Marktentwicklung bei der Regelenergie„.

Zu verschiedenen Fragen des Anteils und der Wirkung Erneuerbarer Energie Anlagen am Regelmarkt hält sich die Bundesregierung bedeckt. Allerdings wird aufgeführt, wie sich die Einführung des Mischpreisverfahrens auf die Entwicklung von Leistungs- und Arbeitspreisen ausgewirkt hat. Anschließend wird die Einbeziehung der Arbeitspreise in den Vergabemechanismus im Regelenergiemarkt (Mischpreisverfahren) verteidigt. 

Es ist zu beachten, dass diese Antwort einige Monate vor augenscheinlich spekulativen Manipulationen des Regelenergiemarkts und damit verbundenen Schwankungen in der Versorgungssicherheit veröffentlicht wurde. Zwischenzeitlich wurde das hier verteidigte Mischpreisverfahren von der Bundesnetzagentur ausgesetzt. Mehr Infos dazu gibt es in unserem YouTube-Video.

Die Drucksache 19/8553 vom 15.03.2019 behandelt die „Einflussnahme […] auf den Gesetzesentwurf […] zur Änderung des EEG, KWKG, EnWG und weiterer […]“ (Energiesammelgesetz) als Antwort auf eine Anfrage der Linken im deutschen Bundestag.

In diesem Dokument geht es um eine vermutete Einflussnahme von Interessensvertretern auf Gesetzgebungsprozesse rund um die Energiewirtschaft. Die Bundesregierung antwortet, dass das Wirtschaftsministerium Eckpunktepapiere und Referentenentwürfe an Verbände und die Länder geschickt hat, aber in diesem Fall keine umfassende Länder- und Verbändeanhörung nach Geschäftsordnung der Ministerien durchgeführt wurde. Es wird darauf hingewiesen, dass die Anhörung Außenstehender auf Grundlage des Ermessens nach bestem Wissen und Gewissen der Ministerien geschieht. Es werden die Rückmeldungen verschiedener Verbände und Unternehmen zum Energiesammelgesetz aufgezählt und Konsultationsrunden mit den Branchenverbänden aufgeführt. 

Schlussendlich wird auf verschiedene Gesprächspartner rund um die Sondierung des Energiesammelgesetzes verwiesen.

Am 13.06.2019 wurde die Bundestagsdrucksache  19/10851 veröffentlicht, die sich in der Antwort auf eine FDP-Anfrage auf „Europäische Gasversorgung und Förderung von Flüssiggas“ bezieht. 

Die Bundesregierung geht in der Antwort davon aus, dass sich der Erdgasbedarf in Deutschland über die nächsten Jahrzehnte deutlich verringern wird. Während in Europa durchschnittlich 15% der Gasversorgung durch Flüssiggas (LNG) erfolgt, importiert Deutschland praktisch vollständig über Pipelines – aus Russland, Norwegen und Algerien. Es wird aber davon ausgegangen, dass der Bedarf an LNG zeitnah wachsen wird, unter anderem im Bereich der Schifffahrt. Anschließend werden die gut 20 europäischen Importhäfen für  Flüssiggas mit ihren jeweiligen Kapazitäten aufgeführt. Darüber hinaus werden die potenziellen Standorte in Deutschland mit ihren jeweiligen Projektträgern aufgeführt. 

Zu konkreten Plänen und Auswirkungen rund um LNG und den klassischen Erdgasimport wird sich nur vorsichtig geäußert.

Vom 15.07.2019 stammt die Drucksache 19/11685 als Antwort der Bundesregierung auf eine Grünen-Anfrage zu den „Stromleitungen P43/P44„. Bei den Stromleitungen handelt es sich um eine Verbindung von Hessen und Bayern (P43) sowie von Thüringen und Bayern (P44).

Die Grünen-Fraktion fragt nach, wieso sich die Pläne zu beiden Baumaßnahmen ändern konnten – ursprünglich wurde eine Notwendigkeit des Baus als oberirdische Freileitung formuliert. Später wurde in einer Pressemitteilung mitgeteilt, dass P43 nun als unterirdisches Erdkabel und P44 gar nicht verlegt werden soll. Die Bundesregierung antwortet, dass sich der Wirtschaftsminister mit Landesvertretern aus Hessen, Bayern und Thüringen auf dieses Vorgehen geeinigt hat und die entsprechenden Änderungen der Bundesnetzagentur vorgelegt worden sind. 

Es wird betont, dass die Änderungen der vorher bereits in den Bundesbedarfsplan aufgenommenen Bauvorhaben keine Verzögerungen darstellen und nur als Vorschläge für die öffentliche Konsultation des Netzentwicklungsplan zu verstehen sind.

Die Auswirkungen auf alle weiteren umstrittenen Netzbaumaßnahmen scheinen offensichtlich: wenn sich Minister zusammensetzen, können sich Pläne ganz schnell mal auf Gutdünken ändern.

Was ändert die MaKo2020 für die Stammdatenprüfung und die Netznutzungsabrechnung?

Die MaKo2020 – Marktkommunikation 2020 – ist die umfassendste regulatorische Änderung der deutschen Energiewirtschaft seit dem Unbundling. Über diese Änderungen wurde schon oft gesprochen, aber selten die wirklichen Konsequenzen für den Alltag hervorgehoben. 

Aber genau diese Aufgaben hat sich Energiewirtschaft Einfach gesetzt: 
Wir brechen das Kleingedruckte der MaKo2020 auf ganz praktische Auswirkungen im Alltag der Mitarbeiter herunter.

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Im ersten Beitrag zur praktischen Auswirkung der MaKo2020 haben wir uns die konkrete Umstellung am 1. Dezember 2019 angeschaut. Heute geht es um Änderungen rund um Stammdaten und die Netznutzungsabrechnung.

Die Struktur der Stammdaten in der UTILMD ändert sich.

Ein wichtiger Teil der standardisierten Prozessvorgaben in der Energiewirtschaft ist ein übereinstimmende Stammdatensystematik. Alle Marktteilnehmer verwenden die selben Arten von Stammdaten – Namen, Adressen, Zählernummern, Marktlokations-IDs, etc. – und können somit problemlos miteinander kommunizieren.

Stammdatenänderungen werden in der Energiewirtschaft mit dem EDIFACT-Nachrichtentyp UTILMD versendet. Dieser erfährt durch die Einführung der MaKo2020 zum 01.12.2019 einige Änderungen. Die UTILMD-Version ändert sich von 5.1h auf 5.2 und kann auf edi-energy.de als Anwendungshandbuch geladen werden. Unter anderem werden neue Segmente zu diesen Themen eingeführt:

  • MSB-Ableseturnus
  • Termin der Netznutzungsabrechnung
  • Wahlrecht des Bilanzierungsverfahrens
  • MaBiS-Aggregationsverantwortung
  • Verbrauchsart und Nutzung an der Marktlokation (z. B. Ladesäule, Straßenbeleuchtung)
  • Fernschaltung der Zähleinrichtung
  • Betriebszustand der Messlokation (Regelbetrieb, gesperrt, darf nicht entsperrt werden)

Durch die veränderte Struktur der UTILMD-Datei müssen sich natürlich auch die angewendeten Prüfregeln im IT-System ändern. Daher sollte rechtzeitig vor der offiziellen Downtime am 29. November 2019 auf einen Versand von UTILMD verzichtet werden und das eigene IT-System in Ruhe inklusive Prüfroutinen umgestellt werden.

Der neue Prozess der Stammdatensynchronisation und die Integration der Übertragungsnetzbetreiber in Stammdatenprozesse wird in einem späteren Artikel besprochen.

Die Netznutzungsabrechnung erhält vorab einen Lieferschein.

In Netznutzungsabrechnung wird die Verwendung der Stromleitungen dem Energieversorger in Rechnung gestellt. Der Stromnetzbetreiber berechnet dem Versorger die gelieferte Energiemenge entsprechend einem veröffentlichten Preisblatt. 

Im Rahmen der MaKo2020 wird nun ein Lieferschein eingeführt, welcher vor der eigentlichen Netznutzungsabrechnung zwischen Stromnetzbetreiber (NB) und Energieversorger ausgetauscht wird.

Bei dem Lieferschein handelt es sich um eine MSCONS-Nachricht mit einem bestimmten Qualifier. In dieser Nachricht werden die im Rechnungszeitraum gemessenen Energiemengen angegeben und dem Versorger zur Prüfung übersendet.

Die konkrete Reihenfolge sieht so aus:

  • die gelieferte Energiemenge wird gemessen (Ablesung)
  • der NB schickt die offizielle Energiemenge an den Versorger (1. MSCONS)
  • der NB schickt den Lieferschein mit der zu berechnenden Energiemenge an den Versorger (2. MSCONS)
  • der NB schickt die Netznutzungsabrechnung mit der im Lieferschein angegebenen Energiemenge

Der Sinn den Lieferscheins ist die Vorabprüfung vor der eigentlichen Rechnung. So sollen eventuelle Unklarheiten bereits früher geprüft und ausgeräumt werden. Bei der Rechnungsprüfung sind die Energiemengen dann bereits freigegeben und können automatisch durchlaufen. 

In der Zukunft kann dadurch ein höherer Automatisierungsgrad bei der Netznutzungsabrechnung erreicht werden. Aktuell verschiebt es die manuelle Prüflast allerdings bloß von der Rechnung zum Lieferschein.

Wie bei den Stammdatenänderungen ist auch bei der Netznutzungsabrechnung eine Änderung der Prüfregeln zur Einführung der MaKo2020 notwendig. Daher ist die Downtime am 29.11.2019 zu beachten – das bestätigte Eingangsdatum entscheidet über die anzuwendende Prüfregel.

In den nächsten Beiträgen zur MaKo2020 gehen wir auf  neue Nachrichtenformate und weitere spannende Themen ein.

Der erste Beitrag handelt hier von der konkreten Umstellung zum Dezember 2019. Der dritte Beitrag über neue Nachrichtenformate findet sich hier.

Bis dahin lässt sich einiges aus dem BDEW-Grobkonzept und -Feinkonzept zur Einführung der MaKo2020 entnehmen. Da diese Dokumente, die GPKE und co. aber nur schwer zu durchschauen sind, bietet sich das beste Seminar rund um MaKo2020 an:

Energiepolitik Einfach: Nuklearforschung, Belgien, Schweiz und Brexit

In der Artikelreihe Energiepolitik Einfach werden politische Statements, Anfragen und Antworten aus dem Bundestag und Landtagen vorgestellt und eingeordnet. Energiewirtschaft Einfach bemüht sich dabei nicht immer um Neutralität.

Heute geht es um vier Antworten der Bundesregierung auf Anfragen im Bundestag: zur Forschung rund um Kernenergie, Versorgungssicherheit im Zusammenspiel mit Belgien, Schweizer Pumpspeicherkraftwerke und die Folgen des Brexit.

Vom 14.02.2019 stammt die Drucksache 19/7824 des Bundestages: in der Antwort auf eine Anfrage der AfD berichtet die Bundesregierung über den „Deutschen Beitrag zu Forschungen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie„.

Unter anderem wird dabei erwähnt, dass Deutschland auch im Rahmen des Siebten Energieforschungsprogramms die nukleare Sicherheits- und Entsorgungsforschung unterstützt. Die vier großen Forschungsgesellschaften (Planck, Helmholtz, Leibniz und Fraunhofer) sowie Forschungsprogramme von EURATOM und der OECD werden unterstützt. Darüber hinaus werden in einer mehrseitigen Tabelle geförderte Forschungsprojekte an Hochschulen rund um die Reaktorsicherheit bzw. die Aufbewahrung sowie Entsorgung nuklearer Abfälle genannt. 

In diesem Dokument betont die Bundesregierung, dass die sicherheitstechnische Kompetenz erhalten und ständig ausgebaut wird, obwohl Deutschland aus dem Betrieb von Kernkraftwerken aussteigt.

Die Drucksache 19/7642 vom 08.02.2019 behandelt die „Belastung der Endverbraucher durch Energieversorgung Belgiens“ als Antwort auf eine Anfrage der FDP im deutschen Bundestag.

Aufgrund mehrerer Defekte in belgischen Kraftwerken und dem Zusammenspiel im europäischen Strombinnenmarkt wurden die Auswirkungen auf die deutsche Versorgungssicherheit erfragt. Die Bundesregierung berichtet von einem gemeinsamen Maßnahmenpaket mehrerer Nachbarländer, derer Übertragungsnetzbetreiber und Regulierungsbehörden zur dauerhaften Stabilisierung der Energieversorgung. Die Maßnahmen beinhalten u. a. Prognosewerte, den Energiehandel, den Redispatch, Notfallmaßnahmen und die Verteilung von Kostenanteilen.

Die Antwort schließt mit dem Hinweis, dass in Deutschland grundsätzlich ausreichend Kraftwerkskapazitäten für die deutsche Versorgungssicherheit und zusätzliche Stromexporte z. B. nach Belgien vorhanden sind.

Am 16.04.2019 wurde die Bundestagsdrucksache 19/9486 veröffentlicht, die sich in der Antwort auf eine FDP-Anfrage auf „Schweizer Pumpspeicherkraftwerke für den europäischen Strombinnenmarkt“ bezieht. 

In Bezug auf die Versorgungssicherheit in Deutschland weist die Bundesregierung auf verschiedene Flexibilitätsoptionen wie Pumpspeicher, Batteriespeicher, den Stromhandel sowie flexible Anlagen und den Netzausbau hin. Dabei wird betont, dass der Energiemarkt selbst entscheidet, welche Optionen genutzt werden. Die Bundesregierung weist auch auf Forschungsergebnisse hin, dass bis zu einem Anteil von 60% Erneuerbare Energie systemisch keine besonderen Speicherkapazitäten notwendig wären. Es wird darauf hingewiesen, dass neben den 23 Pumpspeicherkraftwerken in Deutschland noch 7 weitere Anlagen aus Luxemburg und Österreich direkt in das deutsche Netz einspeisen.

Eine stärkere Einbindung der Schweizer Kapazitäten wird angestrebt.

Vom 13.06.2019 stammt die Drucksache 19/10842 als Antwort der Bundesregierung auf eine FDP-Anfrage zu den „Folgen des Brexit für die europäische Energie- und Klimapolitik„.

In diesem Dokument werden die CO2-Emissionen Großbritanniens in Relation zum gesamteuropäischen CO2-Ausstoß aufgeführt. Hintergrund ist die bei erfolgtem Brexit womöglich notwendige Neuregelung des Emissionszertifikatehandels (EU-ETS). Die Bundesregierung betont, dass auch ein ungeregelter Brexit das restliche EU-ETS nicht nachteilig beeinträchtigen kann. Bei einem geregelten Brexit würden Anlagenbetreiber bis Abschluss der aktuellen Handelsperiode im Emissionshandelssystem verbleiben. 

Darüber hinaus werden die Auswirkungen des Brexit auf u. a. Zölle im Energiehandel, die Einbindung Irlands in den EU-Binnenmarkt und EURATOM angesprochen.